Kooperieren

Kooperieren kann man mit Aussenstehenden oder mit anderen Ziegenmilchproduzenten oder zu mehreren Personen auf einem Hof:

Eine Kooperative

GAEC du Pic-Bois: Die Milch von 70 Ziegen wird in Käse transformiert und ernährt zwei Leute, zwei weitere Personen backen Brot und bauen Weizen an. So ist der Hof autark und betreibt einen Laden für Bio-Brot und verschiedene exzellente Ziegenkäse. Alle können sich untereinander ablösen, so dass für jeden mehrere Wochen Ferien möglich sind, sowie freie Wochenenden. Und es bleibt Zeit, sich um die Erhaltung alter Getreidesorten zu kümmern und sich gegen Gen-Saaten zu organisieren.

„Zusammen zu arbeiten ist schwierig, aber unabdingbar. Man muss sich absprechen, diskutieren. Aber dafür hat man auch Ferien, freie Wochenenden. Und es ist schön, sich austauschen zu können, interessant. Alleine arbeiten möchte ich nicht mehr. Jeder ist verantwortlich für seinen Bereich, aber jeder kann den anderen auch ersetzen.“


Kooperieren mit Aussenstehenden

In GAEC Les Divols wird der Mist vom Winzer genutzt, der auch selbst ausmistet. Dafür besorgt er ihnen das Stroh.

Für Denton mistet ein anderer Bauer mit Tieflader aus.

H.P. Dill: Wir kooperieren mit einem belgischen Koch, der macht aus unserem Fleisch Pasteten, die ich auf dem Markt mit verkaufe. Produktvielfalt ist wichtig, aber man kann nicht alles selbst machen.


Genossenschaften

Hans Ramseier: Unsere Genossenschaft hat einen gemeinsamen Milchtank, den wir jeden 2.Tag beliefern. Der Reihe nach ist jeder dran, diese Milch zur Käserei zu fahren. Als Vergütung dafür behalten wir pro Liter Milch 10 Cent ein. Mit dem Überschuss können wir uns im Winter einen besseren Milchpreis auszahlen, nämlich 1,20 und im Sommer 1,- CHF.

Peter Baumann schildert, wie er sich darum bemühte die Ziegenhalter in seiner Umgebung für eine gemeinsame Milchvermarktung zusammenzubringen: Zuerst liessen wir einen Käser kommen, der einmal die Woche unsere Milch verkäste. Das ging gut, bis einer schlechte Milch lieferte und der Käse sich blähte.

Dann haben wir den Ziegenmilchproduzentenverein mit zwölf Mitglieder gegründet (die Statuten übernahmen wir von jenen im Emmental) und einen Milchtank angeschafft, aus dem ein landesweit operierende Milchaufkäufer die Milch jeweils abholen konnte. Das klappte auch, nur hat der nicht bezahlt, am Schluss schuldete er uns 20.000 Franken. Also suchten wir erneut nach einer Lösung und fanden in der Meierei Meiringen einen Käser, der Ziegenkäse produzieren wollte. Das läuft nun schon sechs Jahre rund.

Solche Vereinigung gibt es bei uns in vielen Tälern, weil in den Bergen Vollerwerbsbetriebe nicht möglich sind, kooperieren die Kleinen. Damit man nicht mit seinen 20 Litern in der Gegen herumfahren muss. Unser Käser pflegte sich abfällig zu äussern über die Käseherstellung der Ziegenhalter. In einer Sitzung tischte ich ihm eines unserer Mutschli (Schnittkäselaib à 1kg) auf: So jetzt essen wir das zusammen, schneid an! Der Käser probierte und meinte „Ich verstands eifach nöd!“- er kommt aus Zürich – „Wir Profis bringen das nicht so hin – ihr Amateure aber schon.“


Foto: Besagtes Mutschli

Peter Baumann: Wir haben Vorteile, die er nicht hat: Unsere Milch wird innert 12 Stunden verarbeitet und nicht vorher im ganzen Land herumgefahren. Wenn wir käsen, dann wenden wir die Laibe zu Beginn alle Viertelstunden; die Molke läuft so viel besser aus und die Oberfläche wird schön glatt.


Alpgenossenschaften

Peter Baumann: Wir nutzen die Ziegen um die Waldsäume und die Verbuschung zurückzudrängen, sonst wird die Weidefläche immer kleiner. Dafür bekommen wir keine Extrasubventionen, es gehört zur alpwirtschaftlichen Pflege. Für jedes Tier, was auf die Alp gegeben wird, muss ein Tagewerk gemacht werden, für 5 Ziegen muss 8 Stunden hier oben gearbeitet werden: einen verschütteten Weg ausschaufeln, Steine zusammen räumen. Dazu muss man ca. 220 Franken zahlen, um eine Ziege hier zu sömmern.


Foto: Alp oberhalb Grindelwald

Kathrin Bähler: Wenn im Sommer die ganze Herde auf die Alp zieht, ist das eine entscheidende Entlastung: In der Regeln sind sie 100 Tage dort oben.
Alpgenossenschaften haben unzählige unterschiedliche Abrechnungsarten: Uns kostet das pro Ziege 70 Franken. Für die Herstellung des Schnittkäses aus ihrer Milch zahlen wir 8,- Franken pro Kilo. Den verkaufe ich dann auf dem Markt für 28,- Franken. Der Gewinn ist gering, aber wir sind die Ziegen den Sommer über los, können die Wiesen heuen, brauchen nicht zu käsen.


Betriebszweckgemeinschaft


Eine Betriebszweckgemeinschaft haben Bählers mit dem Nachbar, dessen Rinder sie füttern. Die fressen die Weiden richtig sauber runter, was Ziegen ja nie machen. Heinz Bähler: Ich frage mich, wie das andere machen, die nur Ziegen halten!


Pierre Schluneggers Milchkontingent verpachtete er dem Nachbarn, der 50 Milchkühe und 50 Schafe hält, deren Milch zum Teil von ihm mit verkäst wird. Die Rinder des Nachbarn zieht er mit auf und verkaufte ihm auch Mais, ausserdem hatten die beiden mehrere Maschinen zusammen gekauft und alles miteinander verrechnet. Deshalb beschlossen sie nach 20 Jahren Kooperation eine Betriebsgemeinschaft zu gründen: Basierend auf dem Inventar beider Betriebe werden jetzt alle Einkünfte geteilt.



Foto: Gerald Brunner ist allein und hat zu viel Arbeit, während beim Nachbarbauer zwei Generationen nicht genug Arbeit haben. Also schlossen sie einen Vertrag über 10 Jahre Zusammenarbeit (der jetzt im achten Jahr besteht). Beide Betriebe bringen 30 Hektaren ein. Den Aussendienst erledigt der Nachbar: Getreidebau, Heu, Futterrüben.
Gerald Brunner selbst benötigt nur wenige Maschinen: Heugreifer, Hochdruckreiniger, Melkmaschine und einen kleinen Traktor mit Frontschaufel.
Die ganze Futtergewinnung ist zusammengelegt, alles Heu lagert in einem gemeinsamen Heustock mit Belüftung.

Gerald Brunner ist Mitglied im Verband der Ziegenprodukte Hersteller der Welschschweiz, die ARPC Ass. Romande des Producteurs Caprins, sie besuchen Betriebe in Frankreich, regelmässige Fortbildung und pflegen einen offenen und soldarischen Austausch untereinander.