Zucht / Künstliche Besamung

Der Bock ist die halbe Herde – was aber, wenn Inzucht droht?

Höhere Milchleistung bei gleicher Kraftfuttergabe – das kann einen Betrieb in die Rentabilität führen. In Deutschland wird das noch wenig berücksichtigt, Kraftfutter war günstig. So blieb hier die Milchleistung der Ziegen gleich wie vor 100 Jahren, während Betriebe in Frankreich, der Schweiz und den Niederlanden auf einem ganz anderen Niveau produzieren.

In der Schweiz finden jedes Herbstwochenende unzählige regionale Zuchtschauen statt, bei denen Ziegen und Böcke prämiert werden und Kontakte unter den Züchtern entstehen, die dann auch zur Anschaffung eines gekörten Bockes führen. Einer gestand mir: “Es ist unglaublich, wie schnell sich die Leistung meiner Herde mit einem guten Bock verbessern hat!“

Im Nordosten Deutschlands pflegen wir solche professionellen Netzwerke noch nicht; die eigenen Ziegen an Schauen zu fahren, erscheint uns riskant, beschwerlich und überflüssig. Könnte künstliche Besamung diese Kontakte ersetzen?

Eine französische Untersuchung in 114 Betrieben mit durchschnittlich 200 Ziegen zeigte einen Leistungszuwachs von 710 Liter auf 910 Liter innert 2-3 Jahren (wenn 45% der Herde Töchter aus künstlicher Besamung sind) – bei gleicher Kraftfuttergabe.

Künstliche Besamung


Quellen:

Peter Fischer war Leiter der Besamungsstation für Schafe und Ziegen am Institut für Fortpflanzung landwirtschaftlicher Nutztiere Schönow e.V. (Brandenburg) bis 2006 . Er führte 20.000 Besamungen an Ziegen und Schafen durch und dokumentierte seine Erfahrungen und Erkenntnisse daraus. Nachzulesen sind sie u.a. im Lehrbuch der künstlichen Besamung bei Haus- und Nutztieren von Walter Busch (2007). Auf Peter Fischers mündliche und schriftliche Mitteilungen stützt sich dieser Text und auf einen Text, der die französische Praxis beschreibt: Guide des bonnes practiques de l’insémination caprine (2004).


Hygiene:

Die zur Samenabgabe zertifizierten Böcke wurden zuvor auf alle denkbaren Krankheiten getestet, d.h. der Samen selbst ist gesund und es werden durch die Besamung selbst keine Krankheiten in der Herde verbreitet, beispielsweise indem sich der Bock an einer Ziege ansteckt und diese Infektion in der ganzen Herde verbreitet. Denn CAE kann sich so sehr schnell verbreiten, da es lange ohne sichtbare Anzeichen bleibt.


Nachkommenschaftsprüfung:

Nur jene Böcke werden als Spender zugelassen, die sich zuvor durch eine herausragende Milchleistung ihrer Töchter qualifizieren. Auch die Bocksmutter muss über mehrere Jahre eine hohe Milchleistung erbracht haben. Zuchtziel sind Ziegen, die bei hoher Grundfutteraufnahme viel Milch geben, fruchtbar, widerstandsfähig und langlebig sind, mit guter Bemuskelung und harmonischem Körperbau.


Grenzen:

Künstliche Besamung ist auch in Frankreich nur zu 60% erfolgreich, deshalb schliesst man zu junge Ziegen aus und solche, die älter sind als 4 Jahre. Eine erneute Besamung soll nicht früher als 170 Tage nach der Ablammung erfolgen.


Standort-Nachteile:

Ziegenleute in Deutschland können Ziegensperma nur aus dem Ausland beziehen und finden hier keine Strukturen, die sie unterstützen. Das einzige deutsche Institut für Fortpflanzung landwirtschaftlicher Nutztiere in Schönow/Brandenburg schloss 2006 seine Abteilung zur Besamung von Kleinwiederkäuern. Künstliche Besamung erfordert Planung, Kenntnisse und exaktes Vorgehen. In Frankreich hingegen gibt es 18 regionale Kooperativen, die den Milchziegenbetrieben bei der Besamung helfen. Das zentrale Institut Capgenes liefert auf Anfrage einen Katalog der Rasse-Böcke mit Bild und Leistungsmerkmalen (e-mail: capgenes(at)capgenes.com.) Ähnlich organisiert ist dies in der Schweiz.


Kosten:

Sperma eines Superbocks kostet in Frankreich pro Portion 35,- Euro. Der Transport in einem Stickstoffbehälter nach Deutschland ca. 170,- Euro (darin haben x Portionen Platz).


Brunstsynchronisierung


Vorteile:

Eine vorher bestimmte und synchronisierte Gruppe kann an einem einzigen Tag von einer Fachperson besamt werden – das ist wichtig, wenn Externe nötig sind. Die Ablammung dieser Gruppe ist dann ebenso in einem engen Zeitfenster zu erwarten. Altershomogene Lämmergruppen liessen sich besser aufziehen, heisst es. Der ganze Bestand kann in Gruppen unterteilt und deren Ablammzeit versetzt geplant werden, so dass der Betrieb immer Milch liefern kann.


Schwierigkeiten:

Beim Natursprung findet der Bock selbst den richtigen Zeitpunkt für die Besamung, resp. die Ziege bleibt nur dann beim Aufspringen stehen, wenn sie aufnahmebereit ist. Dagegen erfordert künstliche Besamung gute Planung und genaues Vorgehen, um eben diesen Zeitpunkt zu treffen. Die Brunst dauert 3 Tage, empfängnisbereit ist sie am 2. und 3.Tag. (Fischer: ab Mitte bis Ende) „Wiederholte Brunstsynchronisationen unter Einsatz von Gestagenen und follikelstimulierenden Hormonen wirken sich teilweise negativ auf die Reproduktionsleistung der Ziegen aus. Insbesondere konnte gezeigt werden, dass eine grössere Zahl von brunstsynchronisierten Ziegen entweder nicht auf die Brunstsynchronisation ansprach oder bei wiederholter Brunstsynchronisation eine sinkende Konzeptionsbereitschaft erkennen liess.“ (P.Summermatter Erkenntnisse aus der Ziegenbesamung, 1987).


Methoden der Brunstsynchronisierung

a.) In Frankreich setzt man jeder Ziege einer Gruppe einen Vaginalschwamm (es gibt extra kleine Schwämme für Jungziegen) mit Progesteron Nach 9 Tagen erhält jede ausserdem eine Spritze mit CG (?) und eine weitere Spritze mit Cloprostenol. Am 11. Tag – also 48 Stunden nach der Spritze – wird der Schwamm entfernt, am Tag darauf, dem 12. Tag beginnt die Brunst und am 13. Tag – genau 43 Stunden nach Entfernen des Schwamms – wird besamt.

b.) In der Schweiz werden CIDR-Spangen benutzt, das sind T-förmige progesteronimprägnierte Spangen, die dem Ziegengenital besser angepasst sind.

c.) Da die Zulassung dieser Medikamente in Deutschland nicht vorankommt, weil es bisher niemand finanzieren wollte, versuchen es Züchter hier mit:

d.) Homöopathische Globuli zur Brunstunterdrückung Agnus Castrus D4 bis 4 Tage vor dem geplanten Brunstbeginn in Kombination mit Brunstpulver von Dr. Schaette, das an 4 Tagen vor geplantem Brunstbeginn gegeben wird.

e.) Bockseffekt: Er wird ca. vier Wochen von der Gruppe (gerade auch geruchlich!) ferngehalten. Kommt er dann in ein benachbartes Abteil, tritt die Brunst relativ synchron ein: 71% am selben Tag und mit einer Befruchtunsrate von 71%. (Peter Fischer) Bocks-Pheromene aus der Sprühflasche wären da noch praktischer. Peter Fischer berichtet, dass dieses Produkt bereits entwickelt wurde.

f.) Lichtregime: Ein längerer Dunkeltag löst Brunst aus. Beispielsweise lässt sich die Brunst im März auslösen, wenn man im Stall das Licht länger anlässt und dann schlagartig damit aufhört. Die Brunst setzt nach 30 Stunden ein.

g.) Erhöhung der Energiezufuhr um 30% über die Bedarfsnorm hat positive Wirkung auf die Gonadotropinausschüttung

h.) Nutzung von Suchböcken: Brunstinduktion durch Pheromonwirkung


Vorbereitung

Vor jeder Besamung wird kontrolliert, ob die Ziege wirklich empfängnisbereit ist. Mittels Leuchtspekulum sieht man sich die Farbe des Muttermundes und die Beschaffenheit des Schleims an. Die Fotos A, B und C zeigen den Muttermund durch das Leuchtspekulum gesehen: Je nach Durchblutung und Schleim die Brunstphase an:

A Brunstbeginn (wenig Schleim)


B optimaler Besamungszeitpunkt, viel milchiges oder klares Zervikal-Sekret, Muttermund stark gerötet bis ziegelrot-bläulich.


C zu spät zum Besamen (käsiger Schleim).



Optimaler Besamungszeitpunkt beim Schaf, Abb. aus Salomon 1974


Der optimale Besamungszeitpunkt berücksichtigt die 6-8 Stunden, die die Samen benötigen, um zum Eileiter zu wandern, wo sie dann mit einem frisch ovulierten Ei zusammentreffen. Die Besamung sollte also 6-8 Stunden vor dem Eisprung erfolgen. Der optimale Besamungszeitpunkt ist demnach 12-24 Stunden nach Brunstbeginn. Es kann aber auch 30-36 Stunden später noch gelingen – je nach individuellem Verlauf.

Testkits um den Progesteronwert im Blut zu messen, und damit den Brunstbeginn, gibt es für Milchkühe, die auch bei Milchziegen eingesetzt werden können.

Ein Bock mit Bocksschürze oder mit Markierungsgerät kann ebenfalls die brünstige Ziege identifizieren. Den richtigen Zeitpunkt zur Besamung zeigt aber nicht der Bock, sondern die Ziege an. Der ist dann gekommen, wenn sie das Aufspringen duldet, den Hintern nicht wegdreht. Diesen Duldungsreflex könne man selbst testen durch Niederdrücken der Kruppe, die Ziege duckt sich dann nicht weg, sie „steht“.

Damit sich Trächtigkeit einstellt und hält, sollte man einen Monat vor und nach der Besamung den Ziegen jede Aufregung ersparen: Futterumstellung, neue Gruppenaufteilungen, Klauenschneiden, Entwurmen, Impfen und Transport. Das Futter sollte gutes Heu enthalten und nur wenig Kraftfutter – zuviel davon kann zum Abort führen.


Foto: Spekulum für Schaf/Ziege mit Beleuchtung im Griff. Bei jeder Untersuchung wird ein frisches Kunststoffrohr aufgesetzt.


Foto: Besamungspipetten Beide Produkte speziell für Schafe und Ziegen sind erhältlich bei der Firma Minitube für Fortpflanzungstechnologie


Im Raum für die Besamung benötigt man eine saubere Ablage für die Instrumente, welche zum Schutz vor Fliegen mit einem Tuch abgedeckt werden. Benötigt werden:

  • Zellstoff und Feindesinfektionsmittel
  • Pinzette (Pailletten aus dem Container zu greifen)
  • Cutter oder scharfe Schere (Pailletten zu öffnen)
  • Eimer mit Wasserbad 38°C (darin Gefriersperma 9 Sek. auftauen)
  • Thermometer (Wassertemperatur prüfen)
  • Wasser, Seife, Handtuch
  • Vaseline für das Spekulum (säurefrei, ohne Duftstoffe)
  • Leuchtspekulum und Rohrstücke entsprechend Anzahl Ziegen
  • Besamungsinstrument (gereinigt und desinfiziert)
  • Temperiermöglichkeit für Instrument (Heizkissen)
  • Dokumentationsmaterial


Beim Besamen ist es ratsam, dass die Ziege hinten erhöht steht, damit der Samen nicht gleich ausläuft. Man kann sie dazu beispielsweise über einen gepolsterten Balken legen.

Foto: Im diesem Festhaltestuhl sitzt der Haltende erhöht, benötigt weniger Kraft. (guide-bonne-pratique-ia-fr.pdf)


Besamungsvorgang

Die Besamung selbst ist für die Ziege ziemlich unangenehm. Deshalb achtet man darauf, dass dies an einem ruhigen, ihr vertrauten Ort stattfindet mit wenigen ihr vertrauten Menschen, die dem Besamer zur Hand gehen. Frauen sind als Besamerinnen erfolgreicher, Feingefühl hilft enorm.

Man führt das Spekulum mit interner Lichtquelle (z.B. Minitüb) unter leichtem Drehen in die Scheide der Ziege ein und fixiter damit den äusseren Muttermund. Durch die Röhre dieses Spekulums schiebt man die Besamungspinzette bis an den Muttermund heran, klopft dort ganz sanft an. Dann ruht die Pipette auf dem Muttermund 1-3 Minuten, bis er sich öffnet; das tut er nur, wenn die Ziege empfängnisbereit ist. Dann führt man die Besamungspipette sehr vorsichtig ein (Verletzungsgefahr!) in Richtung Gebährmutter ca. vier Zentimeter. Jeder überwundene Zervixring erhöht die Chancen einer Befruchtung um 10%.


Abb. Zervixkanal mit Zervixringen, 1 Scheide/Vagina; 1a Muttermund/Orificium uteri externum; 2 Gebärmutterkanal/Zervix; 3 Zervixfalten; 4 Gebärmutter/Uterus


Unter leichtem Zurückziehen des Besamungsinstruments wird das Sperma abgesetzt. Das Instrument wird dann vorsichtig herausgezogen und geprüft, ob es vollständig entleert wurde. Eine gefühlvolle Klitorismassage wird daraufhin empfohlen.


Nachbesamen

Ziegen, die 24 Stunden nach der Besamung immer noch Brunst zeigen, sollten erneut besamt werden. Flüssig konserviertes Sperma hält sich 24 Stunden, wenn es in dieser Zeit bei 4°C gelagert wurde. Fliesst weiss-gelblicher, käsiger Schleim aus, ist der Zeitpunkt vorbei. Jene, die nicht aufgenommen haben, werden nach 20 +/- 2Tagen wieder brünstig. Nach 35 Tagen kann man mit Ultraschall nichtinvasiv die Trächtigkeit überprüfen. Eine eingeführte Sonde könnte ein Abort provozieren.

Vollkostenrechnung

Das eigene Management überprüfen.

„Es ist viel schwerer die Molkerei dazu zubringen, mir mehr Cent pro Liter zu zahlen, als den eigenen Betrieb zu überprüfen und zu fragen, was kann ich positiv verändern!“ sagt Andreas Kern. Er ist Bioland-Berater und hat im Auftrag der Andechser Molkerei zehn Betriebe, die Ziegenmilch liefern, betriebswirtschaftlich untersucht.

Im Durchschnitt hatten die 10 untersuchten Betriebe 238 Ziegen und lieferten je 150.000 kg Milch pro Jahr. Alle Kosten erfasst, zeigten sich nun die Unterschiede: Die einen benötigen 140 Cent, um ein Kilo Milch zu liefern, andere schaffen dies mit 80 ct/kg. Die Molkerei zahlt ca. 70 ct/kg. Hinzu kommen Einnahmen aus Fleisch- und Tierverkauf und Direktzahlungen. Der durchschnittliche Betrieb aber erwirtschaftet ein Minus von 23 ct/kg Milch, man macht also mit jedem Liter Milch einen Verlust.

 

Warum Vollkostenrechnung?

Um das Ergebnis der Ziegenhöfe vergleichen zu können, reicht keine Gewinn-Verlust-Rechnung – eine Vollkostenrechnung ist nötig. Diese erfasst auch die Kosten für Kapital (welches man ja auch anders anlegen könnte) und für Pacht, (auch für eigene Flächen, die man ebenso an andere verpachten könnte) und die Arbeitskosten. Für die Arbeit setzte er 12,50 Euro als Stundenlohn (netto) ein. Stallgebäude aus eigenen Mitteln oder auf Kredit finanziert, werden als Kapital angenommen, welches mit 5% Zinsen zu Buche schlägt. Für die Flächen – ob eigene oder fremde – gelten die regionale Pachtpreise.

Andreas Kern: Nur zwei Betriebe wiesen einen realen Gewinn aus! Mit Produktionskosten von 80 Cent machen sie nach Abzug aller Vollkosten einen Unternehmerewinn von 8 ct/kg – bei 150.000 kg im Jahr ist das richtig Geld, da geht einem das Herz auf! Jetzt kann man fragen: „Was macht denn der anders? Wo ist der Unterschied? Welche Faktoren kann ich beeinflussen?“

Als Berater denkt man, man weiss alles – als ich auf diesen so erfolgreichen Betrieb kam, dachte ich noch „na ja, kein Idealziegen, katastrophale Euter, Lämmer sprangen rum, das Futter war auch nicht berühmt“, aber dieser Betrieb hat alles richtig gemacht! Man kann es nicht auf bestimmte Haltungsformen, Ziegenrassen, Kraftfutter oder Weidehaltung eingrenzen. Darauf scheint es nicht anzukommen. Wichtig ist aber, dass man selbst weiss, ob man unter dem Strich mit seiner Methode Verlust oder Gewinn macht.

 

Worauf es ankommt

Ich habe Milchleistung und Kraftfuttereinsatz gegenüber gestellt. Auch da zeigt sich keine Korrelation: Die Milchleistung hängt nicht mit dem Einsatz von Kraftfutter zusammen. Betriebe sind finanziell auch deshalb erfolgreich, weil sie mit vergleichsweise wenig Kraftfutter eine Michleistung von 800 kg/Jahr/Ziege erreichen. Mit derselben Kraftfuttermenge bekommt ein anderer nur 400 kg Jahresmilchleistung!Was stimmt hier nicht – die Genetik, die Haltung, die Gesundheit?

Ein entscheidender Faktor bildet auch die Tiergesundheit. Die erfolgreichen Betriebe sind in der Regel CAE-unverdächtig, machen Milchleistungsprüfung und Clostridienimpfung. Das Grundfutter ist das grosse Potential in der Milchziegenhaltung. Man muss ein Grundfutter schaffen mit mit 6MJ NEL / kg Trockenmasse. Deshalb investiert ein Betrieb 80.000 Euro in eine Heutrocknung. Silage ist nur dann eine Alternative, wenn man wirklich gute Qualität erreicht.

 

Die besseren Manager

Ich habe Bio-Betriebe in den Niederlanden besucht. Dort sah ich Bestände mit 1200 Ziegen – alle top-gesunde, gut gefütterte und gut betreute Tiere, die 950 Liter geben und dieselben Futtermittel fressen wie hier. Wenn wir so mit 1200 Ziegen arbeiten würden, wie jetzt mit den 200 (die hier üblich sind), dann wären die 1200 tot! Diese Betriebe in Holland basieren auf soviel Fremdkapital, die können sich ein Management wie bei uns gar nicht leisten. Die Niederländer sind ganz klar die besseren Manager. Daran müssen wir arbeiten, da ist noch viel Potential!

 

Durchmelken

Drei Betriebe melken 2-3 Jahre durch, ohne die Ziegen neu zu belegen. Der Vorteil dabei: die Ziegen sind gesünder und stabiler, die maximale Belastung in der Hochträchtigkeit fällt weg. Eine solche Ziege gesund zu erhalten, ist wesentlich einfacher. Es fallen weniger Kitze an, dafür habe ich ganzjährig Milch. Der Nachteil für die Arbeitskräfte: die Winterpause fällt weg. (siehe Durchmelken) Soweit der Vortrag von Andreas Kern.

 

Glückliche Kühe – glückliche Bäuerinnen/Bauern?

Die University of Wisconsin-Madison befragte im Zeitraum 1993-2003 alle Milchbauern in Wisconsin nach wirtschaftlichem Auskommen und Zufriedenheit. Dabei verglichen sie drei Produktionsweisen.
23% der Milchbauern praktizieren Umtriebsweide, sie beziehen ihr Futter ausschließlich von der Weide, die sie mindestens einmal wöchentlich wechseln.
21% weitere Milchbauern kombinieren Weidegang mit Vorratsfutter. Beide Wirtschaftsweisen haben fast gleichgroße Flächen ca. 100 ha mit etwa derselben Anzahl Kühe.
56% der Milch in Wisconsin wird aber von Farmen ohne Weide produziert. Sie benötigt mehr als doppelt so viele Kühe (um wirtschaftlich zu sein) sowie fremde Mitarbeiter.

Eine Jahresmilchleistung von 8.000 kg erzeugten die selber grasenden Kühe, Weidetiere mit Zufütterung etwas mehr, nämlich 8.255 kg und die ganz ohne Weidegang 9.400 kg. Den größten Gewinn pro Kuh aber brachten die selbst grasenden Kühe!

Schuldenfrei waren 27-28% der Milchbauern mit Weidegang, aber nur 20% der Bauern ohne Weidenutzung!
Das durchschnittliche Jahreseinkommen bewegte sich in allen drei Formen zwischen 35.000-49.000$. Dank Weidehaltung reichte die Hälfte der Kühe, um eine Familie zu ernähren.

Gefragt nach der Zufriedenheit gab es wenig Unterschiede zwischen den Vertretern der drei Produktionsweisen, allerdings antworteten mit „sehr unzufrieden“ deutlich mehr jene Farmer, die ohne Weideland arbeiten während „sehr zufrieden“ vermehrt jene ankreuzten, die ihre Kühe ausschließlich grasen lassen.

 

Überdimensionierte Investitionen

Speziell Melkanlagen liesse man sich leicht zu gross aufschwatzen, mahnt Emmanuel Denton. Die Raten dafür fressen den Gewinn auf!

Lammfleisch

Die Vermarktung von Ziegenfleisch erfordert Kreativität.


Schweiz

Hans Ramseier: Von Januar bis kurz vor Ostern bekommen wir für ein Zicklein 14,- CHF /kg – schwerer als 7,5 kg darf es aber nicht sein und ausserdem ziehen sie noch 10,- CHF ab für die Schlachtung. Nach Ostern essen die Schweizer keine Zicklein mehr – als ob es dann giftig würde! Wir werben jetzt dafür: Beispielsweise könnte man bei so schönem Wetter doch auch ein Gitzi grillieren!

Peter Baumann: Wir haben das Glück, in Grindelwald einen italienischen Gastronomen zu haben; der braucht im Jahr um die 150 Zicklein. Ich selbst habe so viele private Abnehmer, dass ich ihm kaum welche geben kann.

Kathrin Bähler: Wir verkaufen an Einzelpersonen. Ich informiere die Kunden meines Marktstandes, wenn das Schlachten ansteht. Je nachdem, ob sie ein ganzes Gitzi nehmen oder Teile, bekommen wir zwischen 20,- und 25,-Franken pro Kilo. 12-15 Lämmer schlachten wir auf Bestellung, aber doch fast nur um Ostern.

Pierre Schlunegger hat inzwischen einen Stamm privater Abnehmer: Portugiesen, Italiener, die auch ausserhalb Ostern Lämmer abnehmen; alte Ziegen kaufen Afrikaner oder ein Metzger macht Salami draus. Das gibt ihm den Spielraum, die Ziegen zu unterschiedlichen Zeiten ablammen zu lassen.


Frankreich

Daniel Durwell: Wir müssen die Lämmer lebend verkaufen, resp. sie 30 km weit zum Schlachthaus fahren, das ist zu teuer

Emmanuel Denton: Bocklämmer gehen nach 8 Tagen zum Mäster. Das Milchpulver bekommen die zu einem besserem Preis bei so grossen Mengen.
Wenn man sie en Detail verkaufen könnte, aber Franzosen essen kein Lamm, da sind nur die Italiener an Ostern und die Araber, sowie die Portugiesen zu Weihnachten. Heute gilt derselbe Fleischpreis wie vor 30 Jahren: Wenn das Bocklamm 10 kg wiegt, bekomme ich 3,20/kg lebend, also 32,- €.

Pedro Fournier: Die erste Woche bleiben Kitze bei der Mutter wegen Kolostrum, danach gehen die Böcke in die Mästerei und die Weiblichen trinken an der Milchmaschine. 80 Stück leben da 3 Wochen. 20 behält er für die Erneuerung der Herde, die anderen weiblichen Kitze werden verkauft: Es gibt eine enorme Nachfrage nach Poitevines, er verkaufte 35 in 2009.


Deutschland

Holger Berg: Bocklämmer sollten zu Ostern schlachtreif sein mit mindestens 8 Kilo am Haken. Wer das nicht bringt, wird im Herbst geschlachtet. Wenn sie dann 12 Kilo wiegen, kann man 10 €/kg bekommen und 15-16€/kg, wenn man die Teile einzeln vermarktet.

Hans-Peter Dill:

Hans-Peter Dill: Die Vermarktung von Fleisch ist schwierig. Ziegenfleisch braucht ein besseres Image, es ist fettarm und hat mehr ungesättigte kurzkettige Fettsäuren als langkettige. Wir bieten jetzt auf dem Markt jede Woche ein Gericht aus Ziegenfleisch an mit einem Rezept dabei, damit man es nachkochen kann. So werden wir übers Jahr jeden Teil der Ziege als Gericht vorstellen. Damit erreichen wir unsere Stammkunden und die laden wiederum Leute ein… Wenn die Rezepte so sind, dass sie ihnen zu Hause auch gelingen, haben sie damit Erfolg. Es ist ein steiniger Weg, macht aber mehr Spass, als Tiere direkt nach der Geburt zu töten.

Wir haben nachgerechnet, wie viel Milch die Lämmer saufen und wie viel sie dann als Fleisch verkauft bringen: es sind 1,50 Euro pro Liter Milch. Bei der Verarbeitung als Käse erlöse ich 2.50 Euro im Direktverkauf. Andere erlösen aus der Milch nur 50 Cent, oder nur 1.20 für Käse, den sie an den Handel verkaufen.
Also sind 1,50 Euro nicht schlecht!

Vermarkten

Liefert man die Ziegenmilch an die Molkerei, erlöst man 50-70 Cent pro Liter. Selbst verkäst und verkauft, bringt der Liter ein Vielfaches.
Doch Ziegenkäse zu vermarkten erfordert viel Zusatzarbeit, Ideen und einen passenden Rahmen.

 

Ziegenmilch

Peter Baumann: Der Absatz lässt sich nicht in einem Monat organisieren, das ist ein Prozess, der Jahre dauert! Hier im Tal hat es 12 Jahre gedauert und danach gab es noch zweimal einen Crash auf Null – dazwischen hatte ich auch schon den Mut verloren. (Siehe > Kooperieren > Ziegenmilchproduzentenverein)

Im Durchschnitt erzielen wir einen Milchpreis von 1,10 Franken (0,82 Euro) d.h. im Sommer 1,- und wenn wenig Milch anfällt1,30 Franken. Ich schaue also, dass ich im Herbst möglichst lange Milch liefern kann und auch nach Weihnachten bald wieder. Deshalb halte ich noch zwei Kühe, mit deren Milch ziehe ich die Zicklein auf, so dass die Ziegenmilch sofort verkauft werden kann.

Pierre Schlunegger versucht Käse ganzjährig zu produzieren und hält die Ziegen deshalb in Gruppen, die zeitlich versetzt belegt werden. Er setzt Photoperiodizität ein statt Hormone, d.h. ab Januar brennt das Licht im Stall länger und dann Ende März nehmen wird es wieder kürzer. Wenn dann im April die Böcke in diese Gruppe kommen, werden diese Ziegen wieder brünstig. Die hormonelle Brunstsynchronisation nutzen sie nur für die künstliche Besamung

 

Käseabo

Christine und Daniel Durrwell kooperieren mit AMAP, einem Zusammenschluss von Konsumenten und Produzenten der Region (hier um Lauterbachzell im Elsass). Die Konsumenten bezahlen vierteljährlich im voraus einen Warenkorb und holen diesen in einer Mehrzweckhalle ab, wohin die Produzenten die Waren bringen. Ein kleiner Warenkorb enthält (neben regionalem Gemüse und Obst) zwei kleine Käse, ein grosser vier. Die Käufer zahlen während 8 Monaten für 64 Käse ca. 130€, aufgeteilt in drei Raten, also quasi im Abonnement. Wir machen Frischkäse und demi-sec sowie Frischkäse mit Kräutern. Wichtigste Voraussetzung, um von 60 Ziegen leben zu können, ist neben  dem Käseabo der Direktverkauf wie hier an einem Sonntag auf dem Parkplatz eines Ausflugziels in den Vogesen.

 

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Foto: Daniel Durwells junge Poitevine neben dem Verkaufsstand signalisieren: Ziegenkäse!

Käseabo vom Schleusenhof Regow, Hans-Peter Dill: Alle 14 Tage eine Tüte mit 4-5 Sorten Käse für 15,- also etwas billiger als auf dem Markt. Wir achten darauf, dass jedes Mal andere Sorten drin sind und nie ganz reife und selten ganz junge. Ich fahre im Umkreis von 80 km, das ist dann eine Lieferfahrt von 220 km; dabei nehme ich 800 Euro ein. Es ist vom Aufwand und vom Umsatz her gleichviel wie ein Markttag. Es sind nicht sehr viele und die Region ist halt sehr weitläufig. Dazu ein wöchentlicher Marktstand in Berlin und der Hofladen mit Ziegenkäse, Wein, Brot, Eis aus Ziegenmilch. (Schleusenhof Regow)

Sabine Denell: Ich muss immer neue Käse entwickeln, weil die bisherigen ständig nachgemacht werden, es gibt inzwischen mehr von den Nachgemachten als von unseren. In Brandenburg haben wir auch noch keine geschützten Käsemarken, kriegen wir auch nicht und so können wir alles machen, was uns einfällt und  immer weiter unsere Kunden überraschen. Fängt man an, immer denselben Käse zu machen, sollte man in den Handel gehen.

Hans-Peter Dill: Produktvielfalt ist wichtig, aber man kann nicht alles selbst machen. Unser Speiseeis besteht aus unseren Himbeeren und unserer Ziegenmilch. Fabriziert wird es aber von einem Spezialisten. Unsere Apfelbäume pflegt ein Apfelspezialist. Wir kooperieren mit einem belgischen Koch, der macht aus unserem Fleisch Pasteten, die mit auf dem Markt verkauft werden.

Die Vermarktung von Fleisch

Betriebsformen

Eine Übersicht zum Zahlenverhältnis Hektar – Ziegen – Personen

 

Schleusenhof Regow

Toggenburger Zuchtbetrieb: 160 Mutterziegen, 35 Nachzucht. 12 ha Grünland, 2 ha Acker, 100 ha Heide („Das ist nicht ohne, wenn wir nicht Hüten gehen auf der Heide, brauchen wir doppelt so viel Heu“). 200 Heuballen aus dem Niedermoor und naturschutzbedingtem späten Schnitt. 70 Tonnen Getreide. 400-600 L Jahresmilchleistung.
Sabine Denell ist Tierärztin, berät und betreut tierärztlich auch andere Höfe. Vor allem aber produziert sie den Käse in vielen erfolgreichen Sorten.
Vermarktung: Freitag und Samstag Marktstand, alle 14 Tage Auslieferung für Käse-Abo-Kunden, der Hofladen mit Gastronomie bedient Radtouristen und Wasserwanderer auf der Havel, an dessen Schleuse der Hof liegt.
Subventionen: Vom Kulturlandschaftsprogramm der EU bekommen sie 220,- pro ha, mit 22.000 ist das fast das Gehalt eines Hirten.

 

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Foto: Die Havelschleuse, die dem Hof den Namen gab

 

Earl le Lopin:

Jean Bonvalot hat bisher Schnecken gezüchtet mit 5 Angestellten und dabei 10-12 Tonnen produziert. Die Schnecken bekommen Weizenmehl, kommen aber nur abends raus zum Futtern: Getreide macht sie gross, nicht Salat!
Am 15. Okt. werden alle eingesammelt, die Kleinen kommen in den Keller, die anderen ins kochende Wasser. Jetzt hat er die Schneckenproduktion soweit reduziert, dass er sie mit seiner Frau bewältigt und die Schneckenprodukte zusammen mit Ziegenkäse in seinem Laden direkt verkauft.
Die Kombionation mit Ziegen ist sinnvoll, weil Schnecken vor allem im Herbst bis Weihnachten Arbeit machen. Er hat erst 17 milchgebende Ziegen (Poitevine) und 40 Jungziegen und will auf 31 Milchgebende erhöhen, mehr erlauben die Räumlichkeiten nicht. Sie haben nur 15 Hektaren, da können die Ziegen spazieren.
Kraftfutter muss gekauft werden. Das Heu machen sie selbst auf fremden Flächen, sie kaufen sozusagen das Gras.
Bilder zum Hof „le lopin du gout“

 

 

GAEC du Pic-Bois

Das ist ein Zusammenschluss von einer Frau und drei Männern, die sich in einem alten Hof östlich von Lyon eingerichtet haben. Sie halten 70 Ziegen (Saanen und Poitevine), produzieren alle Futtermittel selbst, verkäsen und vermarkten alles selbst. Sie bewirtschaften 43 ha, davon 15 ha als Wiesen, 5-6 ha für Erbsen und Getreide für die Ziegen, sowie 12 ha für Weizen für ihre Bäckerei.
Brot und Käse (Ecocert zertifiziert) wird im eigenen Laden verkauft zu dem auch viele Kunden aus dem Speckgürtel von Lyon kommen. 30% ihrer Produkte gehen an eine Genossenschaft lokaler Produzenten, welche die Abonnenten von „Körben“ beliefert.
Diese 70 Ziegen produzieren 35.000 – 40.000 Liter und ernähren dank eigener Käserei und Direktvermarktung zwei Personen. Zwei weitere arbeiten im Weizenanbau und in der Backstube. Alle kommen aus anderen Berufen, haben dies vor 15 Jahren aus Leidenschaft begonnen und seitdem immer weiter verbessert.

 

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Foto: Maschinenpark du Pic Bois

 

 

Sebastien Vernay

Zusammen mit seinem Schwager übernimmt er den Betrieb von seinen Eltern, es sind 100 Saanenziegen mit 750 Liter Jahresmilchleistung. Die Milch wird zum grossen Teil von seiner Frau verkäst und der Käse zu 37% selbst vermarktet. Gefüttert werden die Saanen mit täglich 750 Gr. Luzerneheu, ganzem Mais und einem (nicht näher benannten) Eiweiss-Futter. 50 Tonnen Luzerne und 25 Tonnen Getreide müssen sie kaufen, denn von den 50 ha in der bergigen Ardèche sind nur 15 ha zum Heuen geeignet und 4 ha, um Luzerne und Sorgho anzubauen.
Deshalb bringen sie die Ziegen täglich auf die Weide, manchmal bis zu 5 km weit. Die Weiden sind eingezäunt und haben Wasser. Sie wollen damit die Landschaft offen halten und den Ziegen eine Freude machen und sich selbst auch. Frage: „Täglich eine Stunde hin und eine Stunde zurück – wenn man rechnet…“ „Oh, nein, man darf nicht rechnen!“
Jährlich werden 190 – 230 Lämmer selbst gemästet bis auf 7 kg Schlachtgewicht, dann im gemeinsamen Schlachtraum zerlegt und vakuumverpackt. Im Direktverkauf bekommen sie für den vorderen Teil 11 €/kg und 14€/kg für den hinteren.

 

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Foto: Wohnhaus neben dem Ziegenstall von Sebastian Vernay

 

GAEC Des Divols

3 Personen GAEC (GmbH?) zwei Personen arbeiten für die Ziegen, eine macht Käse; sie können sich untereinander ablösen und auch Urlaub machen. Mit einer Jahresmilchleistung von 1.000L können diese 57 Ziegen (Bunte) drei Personen ernähren. Sie möchten eine vierte Person einstellen, dazu müssen sie nach ihrer Kalkulation lediglich 10 Ziegen mehr halten.
Ein Betrieb ohne Weide oder Futtermittelproduktion („hors-sol“). Die Ziegen haben zwar Auslauf, gehen ab und zu in das 100 ha grosse Maquis spazieren, zerstechen sich dabei die Hochleistungs-Euter und die Milchleistung geht zurück.
Das Futter wird zu 100% gekauft: 70 Tonnen Heu, 10 Tonnen Gerste, 11 Tonnen Luzernepellets Futter: Quetschgerste, Luzernenheu und -pellets. Jene, die 6-7 Liter täglich geben, bekommen bis zu bis zu 800 gr/täglich, verteilt in Portionen zu 200 gr.

 

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Foto: Um mehrfach täglich Kraftfutter zu verabreichen wird dieser Klapp-Futtertisch genutzt

Der Mist wird vom Winzer genutzt, der auch selbst ausmistet. Dafür besorgt er ihnen das Stroh. Da der Milchpreis im Winter steigt, besamen sie 20 Ziegen künstlich, die lammen im Oktober und geben dann im Winter die Milch, während die restlichen 37 trocken stehen. Diese saisonal gegenläufige Trächtigkeit sei ohne gesundheitliche Folgen, nur die Aufnahmebereitschaft liesse nach. Künstliche Besamung ist nur zu 66% erfolgreich. Manche der künstlich besamten kriegen Drillinge.

 

Pedro Fournier:

85 Ziegen, 4 Böcke, 20 Nachzucht. Vergrössern will er nicht, sie haben ja noch 100 Kühe: Er ist mit seiner Mutter assoziiert, die Charolais Kälber in Italien mästen lässt und danach zurückkauft. Insgesamt gehören zum Betrieb 12 ha Getreide, 50 ha Wiesen für die Rinder, 10 ha fürs Heu. Die Milchleistung seiner Poitevines jetzt im September 3,4L! Die Ziegen bekommen täglich: 1,1kg Getreide, Mais, Sonnenblumen, Gerste, Bohnen, dazu Heu + Luzerne-Pellets – nur diese sind gekauft. 12 ha Getreide lässt er ernten und säen, alles andere und das Heu macht er selbst. Ausserdem macht er den Käse selbst und verkauft ihn ab Hof.

 


Pedro Fournier: Die Ziegen gehen nie raus, vielleicht nächstes Jahr. Es gibt 10 Hektar um den Stall rum, aber da muss ich erst Zäune ziehen. Auch zum Hufeschneiden reicht es nicht.
Der Milchpreis variiert innerhalb des Jahres zwischen 50 – 70 Cent. Vermarktet er die Milch als Käse, ergibt 1 Liter Milch 2,55 Endpreis (incl. Vertriebskosten). In Frankreich sagt man, 50 Ziegen ernähren ein Paar, wenn sie Käse produzieren. Wenn nur Milch verkauft wird, müssen es min. 200 Ziegen sein.

 

Emmanuel Denton:

140 Ziegen, 7 Böcken, 40 Nachzucht, 10 Esel. 56 ha Wiese, sehr schwieriges Gelände. 3 ha Getreide, die bewirtschaftet er mit Maschinen aus dem Pool, er selbst hat nur einen Trecker. „Die Herdengrösse muss dem System angepasst sein. Macht man das Futter selbst, dann ist dies mit bis zu 140-200 Ziegen möglich für 1 Arbeitskraft. 250 Ziegen benötigt man, wenn man alles Futter kaufen muss, dann müssen sie auch richtig viel Milch geben. Beides gilt für Betriebe, die nicht selbst Käse machen. Macht man Käse selbst, reichen auch 50-60 Ziegen, um eine Person zu ernähren, 150 Ziegen kann ein Paar machen, aber sie haben kein Leben. Das haben wir 25 Jahre lang gemacht.
Heute arbeitet meine Frau nicht mehr mit; ich selbst habe jetzt eine 35 Std. Woche und kann davon auch gut leben. Das gilt für viele andere nicht. Die Leute sind eingeklemmt: Sie bauen immer grösser, schaffen immer mehr an und müssen umso mehr arbeiten, nur um die Zinsen aufzubringen. Die Milchleistung meiner Ziegen ist geringer, aber das Einkommen in Bezug zur Anzahl Ziegen ist höher! Ich verdiene nicht viel, aber meine Arbeitszeit ist bezahlt. Je einfacher, umso besser klappt es! Meine Kollegen arbeiten dagegen 6-8 Std. nur für Füttern und Melken, sie haben dann auch eine viel höhere Leistung.
Meine bekommen Kraftfutter nur beim Melken, danach gibt’s Heu und Wiese, sie suchen sich ihr Futter selbst, hatten aber einen Leistungseinbruch wegen Parasiten und feuchtem Wetter.“
Die Milchleistung beträgt jetzt im Sept. 2,5 Liter am Tag, im Frühjahr 3,5 L, mit Parasiten 1,8 L und im November nix mehr. Der Milchpreis in Frankreich: im Mai-Juni 46 Cent , Juli-Aug 50 Cent,  Sept.-Okt. 60 Cent , Nov.- Dez. 70 Cent.

 

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Foto: Die romanische Kapelle Notre Dame de Laval, dahinter die Wiese von Emmanuel Denton, etwas weiter rechts steht sein Hof.

 

 

Holger Berg:

1994 hat er den Hof gekauft als Gartenbaubetrieb, Schafe angeschafft für die kommunale Grünflächenpflege. 50 Schafe, finanziert über eine Aktie von 150 €, die die Aktionäre ein Jahr später in ein Lamm einlösen konnten, so baute er die Herde auf. Das ging 5 Jahre gut, bis die Stadt kein Geld mehr hatte. Inzwischen hatte ein Nachbar Ziegen angeschafft, welche dessen Frau melken sollte. Die weigerte sich: „12 Jahre Ehe und kein Tag Urlaub! Du musst dich entscheiden zwischen Ehe oder Landwirtschaft“. Also gab der Mann, er war Forstwirt, ihm alle seine Ziegen, zusammen mit den 25 Hektar für 50.000€ : seine Chance Bauer zu werden!
Berg hat immer Ziegenpellets gefüttert, bei Gerste stimme der Eiweissgehalt nicht. Im Winter füttert er mit Schrot. Bio-Pellets kosten dies Jahr im Doppelzentner 40 Euro, letztes Jahr 50 Euro: 1 kg/Ziege/Tag bei 60 Ziegen sind 720 € im Monat. Die Milch verkauft er an eine Molkerei.

 

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Foto: Holger Berg mit der Lieblingsziege

 

 

Daniel Durwell:

35 Milchgebende und 15 Nachzucht, das Ziel sind 60 Milchgebende. 25 Hektar, das meiste Busch, es sind ehemalige Kuhweiden. Nach dem Krieg hat die Brucellose die Kühe erledigt, seitdem wachsen dort Bäume. Er macht Frischkäse und demi-sec sowie mit Frischkäse mit Kräutern; den Trockenen mögen die Leute nicht besonders. Seine Frau macht den Verkauf.

 


Foto: AMAP chevrerie de Felsenbach

 

Kathrin und Heinz Bähler

Heinz Bähler betreibt ein Gartenbaugeschäft in Heimenschwand im Berner Oberland. Sein Vater hatte noch Milchkühe. Der Landwirtschaftsbetrieb ist aber heute mit 6 Hektaren Nutzfläche auf 850 m.ü.M. zu klein; deshalb wurde das Milchkontingent verkauft. Das Land wird jetzt für die Ziegen genutzt und die Rinder des Nachbarn. Mit dem Sohn hält er gemsfarbene Ziegen als Liebhaberei, seine Frau Kathrin züchte mit der Tochter Pfauenziegen und produziert Frischkäse, den sie auf dem Markt verkauft. http://baehlers-hofprodukt.ch

 

 

Peter Baumann

Peter Baumann führt eine Firma für Heizungs- und Sanitärinstallation in Grindelwald. Daneben bewirtschaftet er achteinhalb Hektaren Wiesen an Steilhängen, hält zwei Kühe und 20-25 braune Oberhasli-Brienzer Milchziegen und jeweils 10-15 Jungziegen, meist zum Verkauf. Als Präsident der Ziegenzuchtgenossenschaft Grindelwald konnte er mir viele Kontakte vermitteln zu Ziegenzüchter in der ganzen Schweiz, zumal er als Richter Ziegen bewertet an den in der Schweiz zahlreichen Schauen. Ein Beispiel hier.

 

 

Gerald Brunner

Foto: Gerald Brunner vor seinem Haus im Jura. Sein Betrieb umfasst 30 Hektar; darauf produziert er ca. 100 Tonnen Getreide, das er gegen Hähnchenmastfutter tauscht, von dem er jährlich 220 Tonnen verfüttert. Neben der Hähnchenmast hält er 40 Milchziegen, deren Milch er zu Reblochon, Frisch- und Schnittkäse verarbeitet und diesen an Einzelhändler und Restaurants in der Umgebung liefert. Vom Stall und von der Futtersituation her könnte er seine Herde verdreifachen. Die zusätzliche Milch müsste er dann allerdings verkaufen – doch das rechne sich nicht. Gerard Brunner ist Ingenieur Agronom, zweisprachig und auch deshalb in den Gremien gefragt: Als Vorstand des BGK (Beratungs- und Gesundheitsdienst für Kleinwiederkäuer der Schweiz) und des Schweizerischen Ziegenzuchtverbandes.

 

 

Hans Ramseier

Der Hof im Emmental hat 8 Hektar – alles steil, was viel Handarbeit erfordert. Diese Bergwiesen ernähren 50 Ziegen, 7 Kühe und 3 Kälber. Hans Ramseier: Zukaufen muss ich 3 Tonnen Emd, denn im Sommer werden diese Bergwiesen trocken, da ist wenig Humus auf dem Felsen. Dieses Emd braucht es, um die Ziegen im Sommer satt zu bekommen.
Hans Ramseier bekam sein erstes Gitzi mit 5 Jahren, „ich habe also jetzt 50 Jahre Erfahrung mit de Geese“.

 

 

Pierre Schlunegger
Pierre Schlunegger begann hier vor 30 Jahren hier mit 120 Ziegen und auch Kühen. Inzwischen ist der Absatz erweitert und der Ziegenbestand verdoppelt, jetzt sind es 216 melkende Saanen und Gemsfarbene. Pierre Schlunegger absolvierte eine Handelsschule, dann eine landwirtschaftliche Lehre und schloss als Agraringenieur am Technikum Zollikofen ab.

 

Foto: Pierre Schluneggers Hof liegt zwischen Greyerzerland und Genfer See.

Subventionen

Direktzahlungen, Förderungen und Einrichtungsprämien für Milchziegenbetriebe

Heinz Bähler: In der Schweiz muss man einige Kriterien erfüllen, z.B. den Boden bewirtschaften, min. 7% ökologische Ausgleichsflächen nachweisen und den Tierschutz einhalten; z.B. sollen die Tiere im Stall freilaufen und nach draussen können. Dann bekommt man Direktzahlungen entsprechend Tierbestand, Fläche und Lage: im Oberland ist es etwas mehr. Ohne würde sich dieser Betrieb nicht tragen, wir müssten aufgeben, dann wäre es ein zu teueres Hobby. Für diese Steuergelder leisten wir auch etwas: ¼ unserer Fläche ist ökologisch wertvoll und wir züchten eine bedrohte Rasse.

In Frankreich bekommt Emmanuel Denton Unterstützung (PAC) wegen „Zone de Montage“, schwierigem Gelände, das sind 6.000,- für die Fläche, dazu kommen 2.000,- Unterstützungen, weil er zuvor Kühe hatte. Seine Anträge füllt er im Internet aus, das dauert 15 Min. zumal er nix ändert. Er könnte gut auch ohne überleben, das gilt für viele andere nicht.

Pedro Fournier: Als Jungbauer erhält er 30% Zuschuss für die Bauten und 10.000 als Einrichtungsprämie. Dann gibt es noch Darlehen zu 3%. Grünflächen- u.a. Subventionen sind gestrichen. „In Frankreich wird es bald Milch-Quoten für Ziegen geben, dafür bekommt man pro Ziege eine Prämie. Und so kann man nicht mehr tun, was man will.“


Landschaftspflege

Hans-Peter Dill: Landschaftspflege ist eine Förderung des Kulturlandschaftsprogramm der EU. Ich finde zwar, dass es eine Dienstleistung ist, aber dagegen sind die anderen Betriebe. Denn als Dienstleistung müsste Landschaftspflege versteuert werden und fiele nicht unter Landwirtschaft, sondern unter Gewerbe. Aber nur als Landwirt kann man im Aussenbereich bauen.
Wir bekommen 15.000,- für 70 ha Heide, also 220 pro ha, nächstes Jahr bekommen wir noch mehr Hektaren und so kommen wir mit der Subvention daraus fast auf das Gehalt einer Person.