Betriebsformen

Eine Übersicht zum Zahlenverhältnis Hektar – Ziegen – Personen

 

Schleusenhof Regow

Toggenburger Zuchtbetrieb: 160 Mutterziegen, 35 Nachzucht. 12 ha Grünland, 2 ha Acker, 100 ha Heide („Das ist nicht ohne, wenn wir nicht Hüten gehen auf der Heide, brauchen wir doppelt so viel Heu“). 200 Heuballen aus dem Niedermoor und naturschutzbedingtem späten Schnitt. 70 Tonnen Getreide. 400-600 L Jahresmilchleistung.
Sabine Denell ist Tierärztin, berät und betreut tierärztlich auch andere Höfe. Vor allem aber produziert sie den Käse in vielen erfolgreichen Sorten.
Vermarktung: Freitag und Samstag Marktstand, alle 14 Tage Auslieferung für Käse-Abo-Kunden, der Hofladen mit Gastronomie bedient Radtouristen und Wasserwanderer auf der Havel, an dessen Schleuse der Hof liegt.
Subventionen: Vom Kulturlandschaftsprogramm der EU bekommen sie 220,- pro ha, mit 22.000 ist das fast das Gehalt eines Hirten.

 

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Foto: Die Havelschleuse, die dem Hof den Namen gab

 

Earl le Lopin:

Jean Bonvalot hat bisher Schnecken gezüchtet mit 5 Angestellten und dabei 10-12 Tonnen produziert. Die Schnecken bekommen Weizenmehl, kommen aber nur abends raus zum Futtern: Getreide macht sie gross, nicht Salat!
Am 15. Okt. werden alle eingesammelt, die Kleinen kommen in den Keller, die anderen ins kochende Wasser. Jetzt hat er die Schneckenproduktion soweit reduziert, dass er sie mit seiner Frau bewältigt und die Schneckenprodukte zusammen mit Ziegenkäse in seinem Laden direkt verkauft.
Die Kombionation mit Ziegen ist sinnvoll, weil Schnecken vor allem im Herbst bis Weihnachten Arbeit machen. Er hat erst 17 milchgebende Ziegen (Poitevine) und 40 Jungziegen und will auf 31 Milchgebende erhöhen, mehr erlauben die Räumlichkeiten nicht. Sie haben nur 15 Hektaren, da können die Ziegen spazieren.
Kraftfutter muss gekauft werden. Das Heu machen sie selbst auf fremden Flächen, sie kaufen sozusagen das Gras.
Bilder zum Hof „le lopin du gout“

 

 

GAEC du Pic-Bois

Das ist ein Zusammenschluss von einer Frau und drei Männern, die sich in einem alten Hof östlich von Lyon eingerichtet haben. Sie halten 70 Ziegen (Saanen und Poitevine), produzieren alle Futtermittel selbst, verkäsen und vermarkten alles selbst. Sie bewirtschaften 43 ha, davon 15 ha als Wiesen, 5-6 ha für Erbsen und Getreide für die Ziegen, sowie 12 ha für Weizen für ihre Bäckerei.
Brot und Käse (Ecocert zertifiziert) wird im eigenen Laden verkauft zu dem auch viele Kunden aus dem Speckgürtel von Lyon kommen. 30% ihrer Produkte gehen an eine Genossenschaft lokaler Produzenten, welche die Abonnenten von „Körben“ beliefert.
Diese 70 Ziegen produzieren 35.000 – 40.000 Liter und ernähren dank eigener Käserei und Direktvermarktung zwei Personen. Zwei weitere arbeiten im Weizenanbau und in der Backstube. Alle kommen aus anderen Berufen, haben dies vor 15 Jahren aus Leidenschaft begonnen und seitdem immer weiter verbessert.

 

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Foto: Maschinenpark du Pic Bois

 

 

Sebastien Vernay

Zusammen mit seinem Schwager übernimmt er den Betrieb von seinen Eltern, es sind 100 Saanenziegen mit 750 Liter Jahresmilchleistung. Die Milch wird zum grossen Teil von seiner Frau verkäst und der Käse zu 37% selbst vermarktet. Gefüttert werden die Saanen mit täglich 750 Gr. Luzerneheu, ganzem Mais und einem (nicht näher benannten) Eiweiss-Futter. 50 Tonnen Luzerne und 25 Tonnen Getreide müssen sie kaufen, denn von den 50 ha in der bergigen Ardèche sind nur 15 ha zum Heuen geeignet und 4 ha, um Luzerne und Sorgho anzubauen.
Deshalb bringen sie die Ziegen täglich auf die Weide, manchmal bis zu 5 km weit. Die Weiden sind eingezäunt und haben Wasser. Sie wollen damit die Landschaft offen halten und den Ziegen eine Freude machen und sich selbst auch. Frage: „Täglich eine Stunde hin und eine Stunde zurück – wenn man rechnet…“ „Oh, nein, man darf nicht rechnen!“
Jährlich werden 190 – 230 Lämmer selbst gemästet bis auf 7 kg Schlachtgewicht, dann im gemeinsamen Schlachtraum zerlegt und vakuumverpackt. Im Direktverkauf bekommen sie für den vorderen Teil 11 €/kg und 14€/kg für den hinteren.

 

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Foto: Wohnhaus neben dem Ziegenstall von Sebastian Vernay

 

GAEC Des Divols

3 Personen GAEC (GmbH?) zwei Personen arbeiten für die Ziegen, eine macht Käse; sie können sich untereinander ablösen und auch Urlaub machen. Mit einer Jahresmilchleistung von 1.000L können diese 57 Ziegen (Bunte) drei Personen ernähren. Sie möchten eine vierte Person einstellen, dazu müssen sie nach ihrer Kalkulation lediglich 10 Ziegen mehr halten.
Ein Betrieb ohne Weide oder Futtermittelproduktion („hors-sol“). Die Ziegen haben zwar Auslauf, gehen ab und zu in das 100 ha grosse Maquis spazieren, zerstechen sich dabei die Hochleistungs-Euter und die Milchleistung geht zurück.
Das Futter wird zu 100% gekauft: 70 Tonnen Heu, 10 Tonnen Gerste, 11 Tonnen Luzernepellets Futter: Quetschgerste, Luzernenheu und -pellets. Jene, die 6-7 Liter täglich geben, bekommen bis zu bis zu 800 gr/täglich, verteilt in Portionen zu 200 gr.

 

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Foto: Um mehrfach täglich Kraftfutter zu verabreichen wird dieser Klapp-Futtertisch genutzt

Der Mist wird vom Winzer genutzt, der auch selbst ausmistet. Dafür besorgt er ihnen das Stroh. Da der Milchpreis im Winter steigt, besamen sie 20 Ziegen künstlich, die lammen im Oktober und geben dann im Winter die Milch, während die restlichen 37 trocken stehen. Diese saisonal gegenläufige Trächtigkeit sei ohne gesundheitliche Folgen, nur die Aufnahmebereitschaft liesse nach. Künstliche Besamung ist nur zu 66% erfolgreich. Manche der künstlich besamten kriegen Drillinge.

 

Pedro Fournier:

85 Ziegen, 4 Böcke, 20 Nachzucht. Vergrössern will er nicht, sie haben ja noch 100 Kühe: Er ist mit seiner Mutter assoziiert, die Charolais Kälber in Italien mästen lässt und danach zurückkauft. Insgesamt gehören zum Betrieb 12 ha Getreide, 50 ha Wiesen für die Rinder, 10 ha fürs Heu. Die Milchleistung seiner Poitevines jetzt im September 3,4L! Die Ziegen bekommen täglich: 1,1kg Getreide, Mais, Sonnenblumen, Gerste, Bohnen, dazu Heu + Luzerne-Pellets – nur diese sind gekauft. 12 ha Getreide lässt er ernten und säen, alles andere und das Heu macht er selbst. Ausserdem macht er den Käse selbst und verkauft ihn ab Hof.

 


Pedro Fournier: Die Ziegen gehen nie raus, vielleicht nächstes Jahr. Es gibt 10 Hektar um den Stall rum, aber da muss ich erst Zäune ziehen. Auch zum Hufeschneiden reicht es nicht.
Der Milchpreis variiert innerhalb des Jahres zwischen 50 – 70 Cent. Vermarktet er die Milch als Käse, ergibt 1 Liter Milch 2,55 Endpreis (incl. Vertriebskosten). In Frankreich sagt man, 50 Ziegen ernähren ein Paar, wenn sie Käse produzieren. Wenn nur Milch verkauft wird, müssen es min. 200 Ziegen sein.

 

Emmanuel Denton:

140 Ziegen, 7 Böcken, 40 Nachzucht, 10 Esel. 56 ha Wiese, sehr schwieriges Gelände. 3 ha Getreide, die bewirtschaftet er mit Maschinen aus dem Pool, er selbst hat nur einen Trecker. „Die Herdengrösse muss dem System angepasst sein. Macht man das Futter selbst, dann ist dies mit bis zu 140-200 Ziegen möglich für 1 Arbeitskraft. 250 Ziegen benötigt man, wenn man alles Futter kaufen muss, dann müssen sie auch richtig viel Milch geben. Beides gilt für Betriebe, die nicht selbst Käse machen. Macht man Käse selbst, reichen auch 50-60 Ziegen, um eine Person zu ernähren, 150 Ziegen kann ein Paar machen, aber sie haben kein Leben. Das haben wir 25 Jahre lang gemacht.
Heute arbeitet meine Frau nicht mehr mit; ich selbst habe jetzt eine 35 Std. Woche und kann davon auch gut leben. Das gilt für viele andere nicht. Die Leute sind eingeklemmt: Sie bauen immer grösser, schaffen immer mehr an und müssen umso mehr arbeiten, nur um die Zinsen aufzubringen. Die Milchleistung meiner Ziegen ist geringer, aber das Einkommen in Bezug zur Anzahl Ziegen ist höher! Ich verdiene nicht viel, aber meine Arbeitszeit ist bezahlt. Je einfacher, umso besser klappt es! Meine Kollegen arbeiten dagegen 6-8 Std. nur für Füttern und Melken, sie haben dann auch eine viel höhere Leistung.
Meine bekommen Kraftfutter nur beim Melken, danach gibt’s Heu und Wiese, sie suchen sich ihr Futter selbst, hatten aber einen Leistungseinbruch wegen Parasiten und feuchtem Wetter.“
Die Milchleistung beträgt jetzt im Sept. 2,5 Liter am Tag, im Frühjahr 3,5 L, mit Parasiten 1,8 L und im November nix mehr. Der Milchpreis in Frankreich: im Mai-Juni 46 Cent , Juli-Aug 50 Cent,  Sept.-Okt. 60 Cent , Nov.- Dez. 70 Cent.

 

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Foto: Die romanische Kapelle Notre Dame de Laval, dahinter die Wiese von Emmanuel Denton, etwas weiter rechts steht sein Hof.

 

 

Holger Berg:

1994 hat er den Hof gekauft als Gartenbaubetrieb, Schafe angeschafft für die kommunale Grünflächenpflege. 50 Schafe, finanziert über eine Aktie von 150 €, die die Aktionäre ein Jahr später in ein Lamm einlösen konnten, so baute er die Herde auf. Das ging 5 Jahre gut, bis die Stadt kein Geld mehr hatte. Inzwischen hatte ein Nachbar Ziegen angeschafft, welche dessen Frau melken sollte. Die weigerte sich: „12 Jahre Ehe und kein Tag Urlaub! Du musst dich entscheiden zwischen Ehe oder Landwirtschaft“. Also gab der Mann, er war Forstwirt, ihm alle seine Ziegen, zusammen mit den 25 Hektar für 50.000€ : seine Chance Bauer zu werden!
Berg hat immer Ziegenpellets gefüttert, bei Gerste stimme der Eiweissgehalt nicht. Im Winter füttert er mit Schrot. Bio-Pellets kosten dies Jahr im Doppelzentner 40 Euro, letztes Jahr 50 Euro: 1 kg/Ziege/Tag bei 60 Ziegen sind 720 € im Monat. Die Milch verkauft er an eine Molkerei.

 

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Foto: Holger Berg mit der Lieblingsziege

 

 

Daniel Durwell:

35 Milchgebende und 15 Nachzucht, das Ziel sind 60 Milchgebende. 25 Hektar, das meiste Busch, es sind ehemalige Kuhweiden. Nach dem Krieg hat die Brucellose die Kühe erledigt, seitdem wachsen dort Bäume. Er macht Frischkäse und demi-sec sowie mit Frischkäse mit Kräutern; den Trockenen mögen die Leute nicht besonders. Seine Frau macht den Verkauf.

 


Foto: AMAP chevrerie de Felsenbach

 

Kathrin und Heinz Bähler

Heinz Bähler betreibt ein Gartenbaugeschäft in Heimenschwand im Berner Oberland. Sein Vater hatte noch Milchkühe. Der Landwirtschaftsbetrieb ist aber heute mit 6 Hektaren Nutzfläche auf 850 m.ü.M. zu klein; deshalb wurde das Milchkontingent verkauft. Das Land wird jetzt für die Ziegen genutzt und die Rinder des Nachbarn. Mit dem Sohn hält er gemsfarbene Ziegen als Liebhaberei, seine Frau Kathrin züchte mit der Tochter Pfauenziegen und produziert Frischkäse, den sie auf dem Markt verkauft. http://baehlers-hofprodukt.ch

 

 

Peter Baumann

Peter Baumann führt eine Firma für Heizungs- und Sanitärinstallation in Grindelwald. Daneben bewirtschaftet er achteinhalb Hektaren Wiesen an Steilhängen, hält zwei Kühe und 20-25 braune Oberhasli-Brienzer Milchziegen und jeweils 10-15 Jungziegen, meist zum Verkauf. Als Präsident der Ziegenzuchtgenossenschaft Grindelwald konnte er mir viele Kontakte vermitteln zu Ziegenzüchter in der ganzen Schweiz, zumal er als Richter Ziegen bewertet an den in der Schweiz zahlreichen Schauen. Ein Beispiel hier.

 

 

Gerald Brunner

Foto: Gerald Brunner vor seinem Haus im Jura. Sein Betrieb umfasst 30 Hektar; darauf produziert er ca. 100 Tonnen Getreide, das er gegen Hähnchenmastfutter tauscht, von dem er jährlich 220 Tonnen verfüttert. Neben der Hähnchenmast hält er 40 Milchziegen, deren Milch er zu Reblochon, Frisch- und Schnittkäse verarbeitet und diesen an Einzelhändler und Restaurants in der Umgebung liefert. Vom Stall und von der Futtersituation her könnte er seine Herde verdreifachen. Die zusätzliche Milch müsste er dann allerdings verkaufen – doch das rechne sich nicht. Gerard Brunner ist Ingenieur Agronom, zweisprachig und auch deshalb in den Gremien gefragt: Als Vorstand des BGK (Beratungs- und Gesundheitsdienst für Kleinwiederkäuer der Schweiz) und des Schweizerischen Ziegenzuchtverbandes.

 

 

Hans Ramseier

Der Hof im Emmental hat 8 Hektar – alles steil, was viel Handarbeit erfordert. Diese Bergwiesen ernähren 50 Ziegen, 7 Kühe und 3 Kälber. Hans Ramseier: Zukaufen muss ich 3 Tonnen Emd, denn im Sommer werden diese Bergwiesen trocken, da ist wenig Humus auf dem Felsen. Dieses Emd braucht es, um die Ziegen im Sommer satt zu bekommen.
Hans Ramseier bekam sein erstes Gitzi mit 5 Jahren, „ich habe also jetzt 50 Jahre Erfahrung mit de Geese“.

 

 

Pierre Schlunegger
Pierre Schlunegger begann hier vor 30 Jahren hier mit 120 Ziegen und auch Kühen. Inzwischen ist der Absatz erweitert und der Ziegenbestand verdoppelt, jetzt sind es 216 melkende Saanen und Gemsfarbene. Pierre Schlunegger absolvierte eine Handelsschule, dann eine landwirtschaftliche Lehre und schloss als Agraringenieur am Technikum Zollikofen ab.

 

Foto: Pierre Schluneggers Hof liegt zwischen Greyerzerland und Genfer See.