Vermarkten

Liefert man die Ziegenmilch an die Molkerei, erlöst man 50-70 Cent pro Liter. Selbst verkäst und verkauft, bringt der Liter ein Vielfaches.
Doch Ziegenkäse zu vermarkten erfordert viel Zusatzarbeit, Ideen und einen passenden Rahmen.

 

Ziegenmilch

Peter Baumann: Der Absatz lässt sich nicht in einem Monat organisieren, das ist ein Prozess, der Jahre dauert! Hier im Tal hat es 12 Jahre gedauert und danach gab es noch zweimal einen Crash auf Null – dazwischen hatte ich auch schon den Mut verloren. (Siehe > Kooperieren > Ziegenmilchproduzentenverein)

Im Durchschnitt erzielen wir einen Milchpreis von 1,10 Franken (0,82 Euro) d.h. im Sommer 1,- und wenn wenig Milch anfällt1,30 Franken. Ich schaue also, dass ich im Herbst möglichst lange Milch liefern kann und auch nach Weihnachten bald wieder. Deshalb halte ich noch zwei Kühe, mit deren Milch ziehe ich die Zicklein auf, so dass die Ziegenmilch sofort verkauft werden kann.

Pierre Schlunegger versucht Käse ganzjährig zu produzieren und hält die Ziegen deshalb in Gruppen, die zeitlich versetzt belegt werden. Er setzt Photoperiodizität ein statt Hormone, d.h. ab Januar brennt das Licht im Stall länger und dann Ende März nehmen wird es wieder kürzer. Wenn dann im April die Böcke in diese Gruppe kommen, werden diese Ziegen wieder brünstig. Die hormonelle Brunstsynchronisation nutzen sie nur für die künstliche Besamung

 

Käseabo

Christine und Daniel Durrwell kooperieren mit AMAP, einem Zusammenschluss von Konsumenten und Produzenten der Region (hier um Lauterbachzell im Elsass). Die Konsumenten bezahlen vierteljährlich im voraus einen Warenkorb und holen diesen in einer Mehrzweckhalle ab, wohin die Produzenten die Waren bringen. Ein kleiner Warenkorb enthält (neben regionalem Gemüse und Obst) zwei kleine Käse, ein grosser vier. Die Käufer zahlen während 8 Monaten für 64 Käse ca. 130€, aufgeteilt in drei Raten, also quasi im Abonnement. Wir machen Frischkäse und demi-sec sowie Frischkäse mit Kräutern. Wichtigste Voraussetzung, um von 60 Ziegen leben zu können, ist neben  dem Käseabo der Direktverkauf wie hier an einem Sonntag auf dem Parkplatz eines Ausflugziels in den Vogesen.

 

durwelll_stand

Foto: Daniel Durwells junge Poitevine neben dem Verkaufsstand signalisieren: Ziegenkäse!

Käseabo vom Schleusenhof Regow, Hans-Peter Dill: Alle 14 Tage eine Tüte mit 4-5 Sorten Käse für 15,- also etwas billiger als auf dem Markt. Wir achten darauf, dass jedes Mal andere Sorten drin sind und nie ganz reife und selten ganz junge. Ich fahre im Umkreis von 80 km, das ist dann eine Lieferfahrt von 220 km; dabei nehme ich 800 Euro ein. Es ist vom Aufwand und vom Umsatz her gleichviel wie ein Markttag. Es sind nicht sehr viele und die Region ist halt sehr weitläufig. Dazu ein wöchentlicher Marktstand in Berlin und der Hofladen mit Ziegenkäse, Wein, Brot, Eis aus Ziegenmilch. (Schleusenhof Regow)

Sabine Denell: Ich muss immer neue Käse entwickeln, weil die bisherigen ständig nachgemacht werden, es gibt inzwischen mehr von den Nachgemachten als von unseren. In Brandenburg haben wir auch noch keine geschützten Käsemarken, kriegen wir auch nicht und so können wir alles machen, was uns einfällt und  immer weiter unsere Kunden überraschen. Fängt man an, immer denselben Käse zu machen, sollte man in den Handel gehen.

Hans-Peter Dill: Produktvielfalt ist wichtig, aber man kann nicht alles selbst machen. Unser Speiseeis besteht aus unseren Himbeeren und unserer Ziegenmilch. Fabriziert wird es aber von einem Spezialisten. Unsere Apfelbäume pflegt ein Apfelspezialist. Wir kooperieren mit einem belgischen Koch, der macht aus unserem Fleisch Pasteten, die mit auf dem Markt verkauft werden.

Die Vermarktung von Fleisch