Der Wolf kommt

…mancherorts ist er schon da!

Wir hatten mehrfach einen Wolf nahe an unserem Dorf gesichtet. Als ich bei der Wolfsschutzbeauftragten des Landes anrief, beruhigte sie mich: Die ihr bekannten Rudel seien im Militärgelände bei Jüterbog und bei Lehnin – freilich könne es vorkommen, dass ein einzelner die Gegend erkunde… Zu eben dieser Gegend liefert ein Jahr später die Märkische Allgemeine Zeitung (MAZ) diese
Karte der Wolfsereignisse südlich von Berlin.

Zwei Berichte dazu, wie solche Angriffe erfolgen:
MAZ vom 10.11.2016 und MAZ vom 24.11.2016

 

Wie die Herde schützen?

Wolfsschutzzaun
Esel
Herdenschutzhund

 

Das Wichtigste ist, sich rechtzeitig auf das Thema einzustellen. Während Naturschutzverbände und -behörden die Wolfsrudel noch 100 km weit entfernt verorten, ist der einzelne Wolf schon längst unter uns und auf der Suche nach Futter. Als Einzelgänger kann er nicht im Team jagen; ihm erscheinen unbewachte Nutztierherden besonders attraktiv.

Auch wenn wir für getötete Tiere vom Amt entschädigt werden sollen, so trifft uns der Anblick von unseren gerissenen, sterbenden Tieren, von ausgeweideten trächtigen Muttern im Innersten. Auch die Herde selbst ist traumatisiert, „nach einer Wolfsattacke nicht mehr zu gebrauchen“, wie ein Schäfer es ausdrückte.

Wolfsschutzzaun

Cristina Perincioli: Der Wolf ist durchaus nicht so scheu wie behauptet; er hat in Brandenburg schon Schafe hinterm Haus geholt. Meine Ziegen sind nachts im Stall, das Gelände um den Stall ist mit einem Knotengeflechtzaun von 1,70 cm Höhe gesichert. Damit der Wolf nicht unten durch schlüpfen kann, legt man das Knotengeflecht auch davor auf den Boden oder gräbt es ein; jedes einzelne Tor muss so gesichert werden, dass es nicht untergraben werden kann.

Auf der Weide kann man die Ziegen mit hochwertigen Elektronetze schützen, sogenannten Wolfsnetzen von je 50 m Länge. Damit das zuverlässig funktioniert, benötig man ein starkes Weidegerät, eine mehrfache Erdung und man muss regelmässig das Gras unter dem Zaun mähen.

Wolfschützer behaupten, dass die Kosten für Zaunbau oder Herdenschutzhunde und für gerissene Nutztiere vom Staat übernommen würden. Die Praxis zeigt, dass dies nur „nach Kassenlage“ geschieht, ohne verbindlichen Rechtsanspruch. Bei Attacken müssen Geschädigte die Kadaver erst untersuchen lassen und nachweisen, dass ein Wolf und nicht etwa ein Hund die Tiere getötet hat.

Esel

Von Alters her pflegte man einer Schaf- oder Ziegenherde einige Esel beizustellen. Während die einen fleissig grasen und die Köpfe ins Gras senken, wacht der Esel und hört mit seinen Lauschern die Landschaft ab. Hunde, die nicht an der Leine geführt werden, greift er mit gesenktem Kopf an, teilt mit den Vorderhufen Schläge aus, kann kleinere Angreifer mit den Zähnen packen und zu Tode schütteln. Anders als Pferde, flüchtet der Esel nicht reflexartig.

Nina Pfister hat genau beobachtet, wie Esel und  Herdenschutzhunde bewachen; sie hat dies für ihre Maturaarbeit „Herdenschutzmassnahmen“ protokolliert.

Die Website Herdenschutz Schweiz informiert auch über Esel als Herdenschutz:
„Esel eignen sich als Schutztiere, denn sie weisen Hunde und andere Raubtiere vehement ab. Esel sind soziale Tiere, die sich an andere Tiergattungen binden, wenn keine Artgenossen da sind. Es kann aber bis 6 Wochen dauern, um eine gute Bindung zwischen Schaf und Esel zu erreichen.

Die Verwendung von Schutzeseln in offenem, übersichtlichem Gelände in Herden bis zu 100 Schafen hat die besten Ergebnisse gezeigt.“

 

Aber im Tiefland könnten Esel eine günstige Alternative sein zum Herdenschutzhund (9.000 € Haltungskosten im Jahr kalkuliert der Schafzüchterverband).

Was ist zu beachten?
In den Die „Empfehlungen zur Haltung von Eseln“ nennt der Landesbeauftragten für den Tierschutz des Landes Niedersachsen einige Knackpunkte:

• Der Esel als Dauerfresser würde schnell zu fett und die Hufe krank, graste er mit der Herde auf einer ergiebigen Weide; was er braucht ist hartes, trockenes Gras, Diesteln, Laub und Brennesseln.

• Ein Esel braucht immer einen zweiten Esel oder Pferd als Gefährten. bleibt er allein, nimmt er sich ungegeignete Tiere als Spielgefährten – Schafe, Hunde – und kann sie dabei töten.

• Auf feuchtem Boden werden seine Hufe in kürzester Zeit von Strahlfäule befallen; deshalb sollte man sie täglich überprüfen, zumal er Hufkrankheit nicht durch lahmen sichtbar macht. Auch die lebenslang wachsenden Zähne sollten regelmässig kontrolliert und ggf. geraspelt werden.

• Wie die Ziegen auch, benötigt der Esel auf der Weide einen Unterstand.

Herdenschutzhund

In der Schweiz waren 2015 rund 200 Herdenschutzhunde auf Hundert Alpen im Einsatz, ungefähr die Hälfte davon ohne Hirt. Vor einer Anschaffung muss ein Sachkundekurs absolviert werden.

In den Abruzzen oder in Ungarn käme es einem Wanderer nie in den Sinn, mitten durch die Schafherde zu wandern oder mit seinem Bike zu fahren – in den Alpen schon. Deshalb versucht man mit Hinweistafeln die Touristen zu Rücksicht zu bewegen., manchmal muss der Weg ausgezäunt und der Schutzhund angebunden werden..!

Hier in Brandenburg begegne ich beim Hüten oft unangleinten Hunden von SpaziergängerInnen: Auch hier sind die Leute nicht auf einen Herdenschutzhund eingestellt; ein Hund („der will nur spielen“) könnte so verletzt oder getötet werden. Wolfsschützer wischen unsere Klagen gerne beiseite mit dem Argument, wir sollten uns eben Herdenschutzhunde anschaffen. Sie lassen die damit verbundenen Gefahren ausser acht.

 

 

Das Märchen vom scheuen Wolf

In Wildgehegen, in denen Wildtiere keine Jagd erleben, sehen wir wie schnell diese die Scheu vor dem Menschen verfolgen: Im Wildgehege Glauer Tal kann man sich ihnen auf wenige Meter nähern! Nicht anders reagiert der Wolf. Viele Videos auf Youtube zeigen, wie Wölfe in Sichtweite von Menschen ungerührt ihren Weg vorsetzen. Ein Jäger beobachtete, wie ein Wolf parallel zu Spaziergängern lief, offenbar auf eine Gelegenheit lauernd deren Hund zu schnappen. Ein Forstwirt bei Görzke sah sich mit einem Wolf konfrontiert, der seinen Dackel fressen wollte. Ein anderer Forstarbeiter erzählt, wie ihm zwei Wölfe beim Auszeichnen zu fällender Bäume zuschauten.
Wolfsschützer glauben, dass die Menschen bloss ihre Angst vor dem Wolf verlieren sollten, dann würden sie ihn auch tolerieren. Deshalb werden im Kindergarten (so in Facebook gesehen), den Kleinen Wolfs-Geschichten vorgelesen, die diesen verniedlichen. Das könnte tragisch enden – „Grossmutter, warum hast du so lange Zähne?“