Lämmer füttern

Per Dachrinne füttern, am Milchautomaten oder am Euter saugen lassen – das ist die Frage!

Eine kritische Phase für die Sauglämmer: Bei Durchfall oder das Floppy Kid Syndrom muss sofort gehandelt werden.

Lämmer bei Müttern saugen lassen

H.-P. Dill: Wir haben schon so Vieles ausprobiert, auch Milchersatz.

Aber das Füttern mit dem Milchautomat ist total aufwendig, einer allein ist den ganzen Tag damit beschäftigt, dieses Ding zu warten. Es muss frostfrei stehen, alles muss warm genug sein. Wenn du das nicht laufend sauber machst, hast du riesige Probleme: chronisch leichten Durchfall, sie nehmen nicht zu – sie sehen wirklich viel schlechter aus, als wenn sie direkt bei der Mutter saufen!

Dann haben wir probiert, die Milch in einer Dachrinne zu verfüttern – es geht, aber die Milch muss ja vorher auch gemolken werden. Ausserdem glaube ich, dass der Kontakt zur Mutter zum artgerechten Aufwachsen gehört. Saugen ist doch ein Grundbedürfnis eines Säugetiers.

Deshalb machen wir es so: Nach der Geburt sind Mutter und ihre Zicklein 3 Tage zusammen in der Bucht, dann kommen sie in die Herde und sind dort 4 Wochen zusammen. Jeden Tag geht die Mutterziege mit auf die Heide und die Lämmer bleiben zurück. Erst wollen sie mitgehen, aber eine Schwelle verhindert das und nach paar Tagen haben sie gelernt, dass sie zurückbleiben müssen. Bevor die Ziegen zum Fressen zurückkommen, treiben wir die Kleinen in den Lämmerschlupf, damit die Mütter in Ruhe fressen können und die Kitze nicht auf den Futtertisch laufen.

 

Foto: Lämmerhütte mit Schlupf zu Müttern

Von Anfang an haben die Kleinen ungestört Zugang zu Heu und Hafer ad libitum in ihrer Lämmerhütte. Wir füllen Quetschhafer in Kraftfutterspender für Ferkel; alledings muss man dort mit einer Querleiste verhindern, dass sie mit den Hufen im Trog scharen. Ist das Kraftfutter stehts zur Verfügung, überfressen sie sich auch nicht daran, was sonst eine tödliche Gefahr ist!

 

Weder noch…

Katrin Steingräber: Die Lämmer bleiben 7-10 Tage an der Mutter, dann kommen sie in 20er Gruppen in den Lämmerstall, wo sie mit Kuhmilch gross gezogen werden. Die Milch kommt mit dem Milchtaxi in den Lämmerstall, wo wir die Gradzahl einstellen, verfüttert wir sie über Eimer mit Sauger. Ein Versuch mit Dachrinne schlug fehl.

Demnächst versuchen wir die Lämmer früher zu trennen, vielleicht geht es dann leichter.

In diesem Demeter-Betrieb muss die Optik stimmen: Die Kundschaft will die Lämmer mit ihren Müttern sehen. Mir tut es leid, sie nach 10 Tagen zu trennen. Die Lämmer bekamen Kozidien, Clostridien, Lippengrind und wiegen jetzt im November keine 35 Kg und werden nicht belegt.

 

Foto: Der Eimer links hat Sauger, die anatomisch nur Menschenkindern passen.

Der Eimer rechts passt für Lämmer. Er besteht aus 2 Hälften, die man über eine Trennwand hängen kann.

Lämmer getrennt von Müttern aufziehen

Gerald Brunner: Das Zicklein bei der Mutter lassen und die beiden dann nach ein paar Tagen trennen, das ist richtig brutal! Die Ziege schreit dann fast eine Woche lang nach ihrem Lamm. Dagegen gibt es kaum Reaktion, wenn ich es sofort wegnehme. Die Biestmilch wird abgemolken und in einem Kessel mit Sauger verabreicht. Danach werden die Zicklein mit dem Milchautomaten aufgezogen.

Mit seinem Milchautomaten macht Gerald Brunner sehr gute Erfahrungen: Die Zicklein werden schöner, fressen massvoller, d.h. sie sind nicht zweimal am Tag gebläht, sondern können in kleinen Portionen trinken, wann immer sie wollen. Der Milchautomat mischt immer frisch an, jeweils nur 0,2 Liter und sollte doch etwas drin bleiben, wird es aufgewärmt. Allerdings reinigt Gerald Brunner den Automaten zweimal täglich. Das Gerät ist gemietet.

 

Foto: Milchautomat für Lämmer

 

Peter Baumann: Neugeborene werden bei mir sofort von der Mutter getrennt, selbst das Kolostrum wird bei uns abgemolken. Die Neugeborenen saufen es aus der Schale, das begreifen die schnell. Schwer tun sich jene, die schon an der Mutter gesaugt haben, die suchen mit dem Kopf nach oben. Man hält ihnen die Schale hin, und sobald die Zunge das Kolostrum schmeckt, fangen sie an zu saufen. Allerdings muss das vollkommen gewaltlos gelernt werden. Man kann den kleinen Finger zu Hilfe nehmen. Es hat sich auch bewährt, nach der Geburt damit noch eine halbe Stunde zu warten, dann geht es leichter. Wenn sie nie an der Mutter gesoffen haben, kann ich sie auch alle zusammen in einem Stall halten.

Damit die Gitzi gut wachsen, ist ihre Gesundheit in den ersten Lebensmonaten entscheidend. Sie müssen ausserdem lang genug Milch bekommen und nicht zu viel auf einmal, damit sie sich auch fürs Heu interessieren und ihr Pansen sich entwickelt. Als Kraftfutter gibt es je ein Drittel Maiswürfel, Trockenschnitzelwürfel und Getreidemischung. Davon bekommt jedes täglich eine Handvoll, also relativ wenig und nicht zur freien Verfügung wegen der Verdauungsgefahren. Inzwischen impfe ich sie auch gegen Clostridien.

Pat Coleby ist in Australien zu den selben Schlüssen gekommen: Egal ob das Lamm bei der Mutter direkt säuft, es lohnt sich später, wenn das Kitz zuerst lernt, aus dem Eimer zu saufen.

Dazu setzt man das Neugeborene hinter einem Maschendraht in Sicht der Mutter. Etwas Kolostrum wird in eine Schale abgemolken und dieses in einem Wasserbad warm gehalten. Erst 15-20 Minuten nach der Geburt ist das Kitz bereit zu trinken, dann bietet man ihm diese Schale an. Dazu stellt man das Kitz zwischen die Schuhe und hält die Schale unter sein Kinn – nicht den Kopf hinein tunken!

Solang das Kitz noch nicht an seiner Mutter gesogen hat (nach oben), wird es bereitwillig aus der Schale trinken. Auf diese Weise stellt man sicher, dass alle Neugeborenen ihr Kolostrum bekommen (und es keiner vorher weggesoffen hat) und alle Kitze wissen, dass man aus dem Eimer trinken kann. Sollte die Mutter ausfallen, haben diese Kitze nicht vergessen, wie man auch aus Eimern satt wird.

Roland Bigler: Sie bekommen bis zu 3 Monate lang Milch. Nach der Geburt sind sie 4 Tage bei der Mutter, die einmal täglich ausgemolken wird. Seit er sie ein paar Tage bei der Mutter lässt, haben die Kitze auch nicht mehr diese tödliche Stoffwechselkrankheit, die er „Glangger“ nennt: Die Kitze schwanken.

Danach kommen sie in Kleingruppen und trinken 3 Monate lang Ziegenmilch in einer Dachrinne. Warum dann nicht an den Müttern saugen lassen? Wegen der Zucht, sagt Roland Bigler (er ist Preisrichter) und meint, durch das Saugen wird der Ansatz des Striches am Euter breiter und wie soll er die Milchleistung messen, wenn die Lämmer mitsaugen?

Pierre Schlunegger: Am ersten Tag bleiben die Kitze bei der Mutter, dann wird diese gemolken und die Kitze bekommen die Milch in der Flasche, später im Kessel mit Sauger und schliesslich im Automaten. Schrittweise wird der Ziegenmich Pulvermilch oder Kuhmilch zugemischt.

 

Foto: Pierre Schlunegger’s Gitzi

Pierre Schlunegger: Das ist viel Arbeit! Wenn wir gut aufpassen und Glück haben, verlieren wir nicht mehr als 5%. Im letzten Jahr hatten wir geblähte Kitze wegen des Milchaustauschers. Die Ursache war vermutlich das Palmfett, das scheint kaum verdaulich. Die Hersteller meinen, sie könnten es nicht ohne Palmfett produzieren. Deswegen werden wir das nächste Mal darauf verzichten und Kuhmilch vertränken, das ist nicht teurer und kann ebenso über den Automaten verfüttert und warm gehalten werden.

Pro Jahr werden so 500 Zicklein die ersten Tage persönlich mit der Flasche gefüttert. Pierre Schlunegger will das ganze Jahr über Käse, deshalb lässt er 6 Gruppen im Abstand von Monaten verteilt übers Jahr ablammen. Er kann sich das  erlauben, weil er nicht darauf angewiesen ist, alle Lämmer zu Ostern zu verkaufen.

Hans Ramseier: Die Neugeborenen trennen wir sofort von der Mutter; sie bekommen die Biestmilch per Flasche verfüttert. Von da an saufen sie aus einer Schale. Dazu stelle ich einen Blumenkasten in den Futtertisch, so stecken sie die Köpfe durch das Fressgitter.

Bald haben sie sich an die Fütterungszeit gewöhnt, sind hungrig, wenn die Milch kommt, so dass die nicht kalt wird. Heisses Wasser kommt dazu und der Stall selbst ist warm. Die ersten zwei Wochen bekommen sie Ziegenmilch, danach Kuhmilch.

Das Trinken aus der Schale ist schnell gelernt, vorausgesetzt, man hat sie nicht länger als einen Tag saugen lassen – ob an der Ziege oder an der Flasche.

Foto: Hans Ramseiers Jungtiere sechs Monate alt.

Hans Ramseier: Die werden jetzt schon gedeckt. Sie bekommen Morgens und Abends 5-Korn-Flocken und immer noch etwas Milch. Die Milch wird jetzt mit Wasser verdünnt, dadurch nehmen sie mehr Flüssigkeit auf. So bekommen sie einen grösseren Umfang, d.h. mehr Platz für Futter und können später auch mehr einpacken. Ausserdem macht sie die verdünnte Milch hungrig.

 

 

Wiegen

Um festzustellen, ob das Füttern wirklich klappt, wiegt man die Zicklein regelmässig. Sie sollten täglich ca. 200 gr. zunehmen – tun sie dies nicht, muss die Ursache gesucht werden. Kommen sie nicht an das Futter heran? Werden sie gemobbt?  Irritieren Haaringe? Fehlen Mineralien?

Zum Wiegen kann man sich selbst mit dem Lamm auf dem Arm auf eine Personenwage stellen. Oder man packt das Lamm in eine Tasche und hängt diese an den Haken einer Zugwaage.

 

wiegen

Statt die immer gewichtigeren Lämmer zu heben, lässt Cristina Perincioli sie auf die Waage springen. Jedes Zicklein brennt darauf, höher als die anderen zu klettern: Wenn auf dem höchsten Punkt eine Waage steht, braucht man das Ergebnis nur noch ablesen…

 

Gewicht mit dem Maßband ermitteln

Sobald es nicht mehr auf 100 Gramm ankommt, kann man das ungefähre Gewicht auch aus dem Umfang ableiten. Das Maßband wird um den Brustkorb gelegt unmittelbar hinter den Vorderbeinen. Eine Tabelle, aus der die Kilo aus dem Umfang abzulesen sind, hat Sabine Martine-Hanske auf hier Ihrer Website hinterlegt.