Kraftfutter

Hafer, Gerste, Mais, Luzerne, Grünmehl, Erbsen, Lupinen, Ölkuchen, Kälbermilch… was bringt wieviel?

 

Überlegungen

Eiweiss, Energie und Struktur müssen ausgeglichen sein. Wenn die Ziegen die richtige Menge Eisweiss bekommen, können sie auch viel besser die Energie verstoffwechseln. Das ist wie mit dem berühmten Bild von Fass: egal wie hoch die Dauben stehen, das Fass lässt sich nur so hoch füllen, wie die kürzeste Daube reicht, alles darüber läuft aus. Ist das Eiweiss zu niedrig, gibt es nicht mehr Milch, ist es zu hoch, riecht man den Harnstoff.

Hans-Peter Dill: Unsere Jahresmilchleistung ist 400-600L. Ich glaube, es liegt daran, dass wir die einzelnen Inhaltsstoffe des Futters nicht genau genug kennen, um diese optimal auszugleichen. Wir füttern sicher zu viel Getreide mit zu viel Energie. Wenn wir den Energiegehalt der Heide kennen würden, könnten wir das fehlende Eisweiss korrekt ausgleichen.

Auf diesen Niedermoorböden hier wachsen kaum Leguminosen, so haben wir meist zu wenig Eisweiss; haben wir gutes Heu, reicht es. Wir müssten Lupinen und Erbsen dazu geben. Aber die Milchqualität leidet unter solchem Eiweissfutter: Man riecht den Harnstoff durch.
Luzerne ist besser; im Sommer verfüttern wir sie frisch geschnitten. Auch Luzerne-Pellets sind viel besser als Erbsen und Lupinen, nur vertrage ich den Staub dieser Pellets nicht, der ist noch viel feiner als der Getreidestau. Eine Mischung aus 85% Hafer mit 15% Gerste wird vor Ort gequetscht und mit lebensmittelechten Eimern auf dem Futtertisch verteilt. Hafer hat ein gutes Eiweiss-Kohlehydrat-Verhältnis. Bei Gerste ist es unterschiedlich. Dort, wo wir sie beziehen, bekommen wir immer nur die, die zum Brauen zu viel Eiweiss hat.

 

Ziegenpellets

Sabine Denell: Pellets kommen dann in Frage, wenn man genug Geld hat. Als Industriefutter kommen dort aber auch Stoffe rein, die ich nicht will. Was ich selbst gesehen habe: Da kam ein LKW-Zug mit Toastbroten, die wurden mit der Packung hineingeschüttet und alles zusammen erhitzt.

Hans-Peter Dill: Gibt man nur Quetschhafer, fehlt Eiweiss, dann müsste Luzerne dazu oder gehäckselte Möhren oder Rüben – wenn du dir diese Mühe machst, dann brauchst du die Pellets nicht… und wenn du das alles jeden Tag in der selben Qualität beschaffen kannst. Was ist mit der Luzerne, wenn es regnet? Die Luzerne schnell durch ein anderes Eiweiss ersetzen, das sollte möglichst nicht passieren. Eine der wichtigsten Grundsätze ist: die Ration muss möglichst gleich bleiben, oder wenn, dann sollten die Stoffe allmählich wechseln

 

Biogetreide

Hans-Peter Dill: Was als Futtergetreide verkauft wird, ist oft einfach Abfall. Deshalb kaufe ich jetzt von einem Biobauern in der Nähe den Hafer, und zwar Speisehafer, aus dem sonst Haferflocken gemacht werden. Auch da möchte ich, dass er noch einen Reinigungsgang mehr macht – sonst ist es einfach nicht gut genug für die Ziegen. Das Problem vom Biogetreide: es hat viel Unkrautsamen dazwischen, beispielsweise die Samen der Melde, die ein grosses Wasseraufnahmevermögen haben. Die Feuchtigkeit dieser Samen führt dann zu Schimmelbefall. Das konventionell angebaute Getreide ist von vornherein sauberer und darum weniger anfällig für Lagerpilze.

 

Soja, Ackerbohnen, Ölkuchen?

Andreas  aus dem Ziegentreff: Ich will mich gleich outen, ich nutze im Winter auch Kraftfutter und dies schon seit vielen Jahren. Ich benutze Getreide, in der Regel ganze Gerste und etwas ganzen Mais, in früheren Jahren habe ich aber auch, wenn nichts anderes verfügbar, Weizen genutzt.
Das Getreide ist als Kraftfutter etwas zu eiweissarm, deswegen mische ich eine etwas proteinreicheres Produkt mit hinein. Im Laufe der Jahre habe ich dazu entweder Michleistungsfutter für Rinder, ganze Erbsen oder Ackerbohnen oder Sojaschrot genutzt. Leider sind Erbsen und Ackerbohnen nur noch sehr schwer aufzutreiben, darum nehme ich jetzt Sojaschrot, das ist das einzige was man hier in der Nähe kaufen kann. Dies ist pro kg Protein preiswerter als Milchleistungsfutter. Beides wird in der Regel natürlich auch von gentechnisch veränderten Sojabohnen gemacht sein, das stört mich aber nicht.

Andreas kommentiert hier die Fütterungsempfehlungen, wie sie  vom Ulmerverlag in „Ziegen halten“ publiziert wurden:
Ölkuchen, aber wo will man so was herbekommen? Ich würde selber gern mal Rapsschrot ausprobieren, dies ist im Prinzip besser als Soja, da dessen Protein im Pansen schwerer abbaubar ist, und deshalb zu einem größeren Teil direkt im Dünndarm aufgenommen wird. Ich weiß aber nicht, ob es von Ziegen so lose unters Getreide gemischt akzeptiert würde. In Rindermischfutter ist es aber in der Regel in den Pillen enthalten.

Kälberfutter würde ich für erwachsene Ziegen nicht nehmen, kann man aber gut als Zusatzfutter bei Flaschenlämmern dazu reichen, sobald sie anfangen auch festes Futter aufzunehmen. Das funktioniert gut.
Grünmehl habe ich noch nicht genutzt, aber getrocknete Luzerne in Pillenform. War bei meinen Damen nicht so der Hit, habe ich dann wieder gelassen, habe aber auch von Züchtern gehört, die es gern nehmen.

 

Einbruch in Fort Knox

Aus gutem Grund wird der Kraftfutter-Vorrat in hinter ziegensicheren Wänden und Toren verwahrt – aber was ist schon ziegensicher? Haben sich die Ziegen an Kraftfutter vollgefressen, muss schnell gehandelt werden: Eine Pansenazidose droht! Diese kann – wenn nicht abgepuffert – die Ziege töten oder doch dauerhaft schädigen. Mehr dazu, wie gepuffert wird hier in www.gesunde-geiss.de