Grünfutter

Koppelweide

Weidepflege

Heubelüftung

Silage

Sorgum

 

Koppelweide

(Rapid rotational Cellgrazing)
Die Hauptidee ist, die Wiesen in relativ kleine Bereiche aufzuteilen, die von einer dichten Herde innert weniger Tage abgegrast und dann verlassen werden. Dadurch erholt sich das Gras schneller und bildet deutlich tiefere und grössere Wurzeln.

 

Daraus ergeben sich interessante Vorteile:

• Bekannt ist, dass damit die Wiederaufnahme von Wurmeiern entscheidend eingegrenzt wird. (Diese benötigen zwei und mehr Wochen eine Larve zu entwickeln und einen Grashalm zu erklimmen).

• Die Wiese wird besser verwertet: d.h. es wird so schnell gefressen, dass nur wenig zertrampelt und durch Kot verunreinigt liegen bleibt. Die Herde hat keine Gelegenheit, Unattraktives stehen zu lassen und dafür wiederholt das Wohlschmeckende abzufressen – welches schließlich verschwindet.

• Weil das Gras nur kurzzeitig betrampelt wird, bleibt ihm eine lange Erholungszeit. Dadurch entwickeln sich die Graswurzeln viel besser. Das Gras ist nach dem Abweiden viel schneller wieder auf Futterhöhe. Die Wiese steigert so ihre Produktion an Biomasse von Jahr zu Jahr messbar, so dass im Folgejahr mehr Tiere auf derselben Fläche weiden können.

• Wird die Grasnarbe geschont, können sich weniger unerwünschte und giftige Pflanzen an Kahlstellen ansiedeln. Noch besser gelingt dies, wenn man die Wiese von unterschiedlichen Tierarten abgrasen lässt.

• Durch den dichten Besatz fällt eine Menge Dung an, der den Boden fruchtbar hält – auch ohne Kunstdünger. In Wiesen, in denen sich die Herden länger aufhalten, bilden sich stattdessen verkotete Standplätze, Flächen, die zwar überdüngt, aber ohne Grasnarbe sind.

• Gras mit guten Wurzeln widersteht Dürre oder Erosion besser.

• Der ökonomische Nutzen: Die Milchleistung mag geringer sein als bei Stallhaltung – doch die Herdengesundheit ist höher und die Arztrechnungen niedriger. An Futter und an Diesel kann gespart werden. Ein Liter Milch wird mit deutlich weniger Kosten hergestellt, das zeigt eine Untersuchung aus Wisconsin. Bei der Fleischproduktion haben Australische Bauern pro Kilo Fleisch 40-60 Cent eingespart.

• Man vermutet zuerst einen höheren Arbeitsaufwand – tatsächlich fallen viele Arbeiten weg, weil sie die Herde selbst erledigt, das behaupten jedenfalls Wissenschaftler. Vielleicht meinen sie damit Nachmähen, Dung verteilen, Dünger streuen, Entwurmen?
Mehr Ertrag

Das Wachstum erfolgt auch beim Gras in einer S-Kurve: eine junge oder abgefressene Pflanze produziert in den ersten Tagen wenig Biomasse, dann nimmt die Wachstumskurve steil zu, bis die Pflanze ihre volle Größe erreicht, von da ab verläuft die Kurve wieder horizontal.

Optimal ist, wenn man das Gras jeweils in der Zeit des stärksten Wachstums abweiden lässt. Dann enthält es auch am meisten Protein und Zucker. In dieser Wachstumsphase pumpen die Pflanzen Kohlestoff in den Boden, so wird er fruchtbarer und kann auch besser das Wasser halten. „Cell Grazing ist ein grossartiges Beispiel angewandter Forschung – wie es funktioniert ist gut erforscht und verstanden – die Anwendung erfordert einiges an Expertise und Geschick,“ konstatiert Jason Bradford in FarmlandLP.

 

Wie die Weide aufteilen?

Je enger gekoppelt wird, desto mehr Ruhezeit hat das Gras und umso kürzer ist der Aufenthalt in einer Koppel. Die Aufteilung der Fläche richtet sich auch nach den vorhandenen Tränkestellen. Hat man nur eine, können von dort aus die Zäune sternförmig gezogen werden. Ein Schlammpfuhl in der Mitte und mangelhafte Beweidung der „Außenbezirke“ können die Folge sein. Deshalb schlagen die Experten vor, die Wiese in Streifen zu zäunen und in den Streifen mit mobilen Zäunen in Parzellen abzutrennen. Das Areal kann außen herum mit einem permanenten Zaun gesichert werden.

 

Wie schnell wechseln?

Nach dem Abfressen bis auf 3-5 cm wird eine Ruhepause von 3-8 Wochen eingeplant, bis das Gras 10-15 cm hoch steht. Die Länge der Ruhepause variiert jahreszeitenbedingt:
„Im Frühling wird ein Überweiden aller Koppeln und langsamer Einstieg in das Koppelsystem empfohlen (gleitender Übergang von Kurzrasen- auf Koppelweide). Damit soll erreicht werden, dass auch in der letzten Koppel die Grasaufwuchshöhe beim Bestoßen nicht über 15 cm liegt“ schreibt dazu die Lehr- und Forschungszentrum Raumberg-Gumpenstein

 

„Weidemanagment als „Kunst“

Die Kunst der Weideführung besteht darin, den Kühen genügend Gras von bester Qualität anzubieten, damit der Verzehr möglichst hoch ist, aber nicht zu viel, damit alles gewachsene Futter gefressen wird und nicht als Weiderest verdirbt. Bei einer dichten Grasnarbe nähert sich der Verzehr schon bei 6 bis 8 cm Aufwuchshöhe seinem Maximum, ab 15 bis 20 cm geht er wieder zurück.

Bei der Umtriebsweide kommt es darauf an, durch Vorausplanung immer Koppeln in der richtigen Aufwuchshöhe von 15 bis 20 cm zu haben und diesen mit genügender Besatzstärke in kurzer Zeit genügend kurz, d.h. auf etwa 5 bis 6 cm herunter abweiden zulassen. Bei Vollweide mit geringer Zufütterung bedeutet dies: Koppelgrösse pro Kuh 2 bis 4 Aren, dies genügt für eine kurze Besatzzeit von 2 bis 4 Tagen. Im April/Mai beträgt die Umtriebszeit etwa 15 Tage, später etwa 3 Wochen und dann etwa 4 Wochen“ findet der Verband Thurgauer Landwirtschaft.

 

Leguminosen

Gefahren sehen die Experten nur in Blähungen, wenn die Tiere auf eine frische Parzelle kommen mit jungem Gras. Deshalb sollte man vor solchem Weidegang immer Heu füttern. Leguminosen machen eine Wiese wertvoller, sie sollten aber nicht feucht gegrast werden und sind in einer Mischung mit Gras weniger gefährlich. Hornklee verursacht keine Blähungen, verträgt aber schlecht Dauergrasen und Frühjahrsgrasen. Das rotierende Kurzzeitgrasen könnte also Hornklee und auch andere Kräuter, ja die Pflanzenvielfalt überhaupt, befördern. Wegen seines Tanningehalts (entwurmend!) ist dieser Klee für Pferdewiesen weniger geeignet.

Wird die Herde regelmäßig von einer zur nächsten Parzelle bewegt, gewöhnt sie sich daran und erwartet den Wechsel dann schon ungeduldig.

 

Historisches

Überweidung und zu hoher Besatz wurde für die Zerstörung von Grasland in semi-ariden Gegenden, speziell das Vorrücken von Wüsten verantwortlich gemacht. Zu unrecht, wie Allan Savory nach jahrelanger Beobachtung feststellte. Im Gegenteil, Grasland stirbt ohne Weidetiere. Er beobachtete in Simbabwe, wie die Herden der Wildtiere durchziehen und entwickelte daraus ein System ganzheitlicher („holistic“) Graslandnutzung, um damit in Afrika versandetes Grasland zu heilen. Er bezog sich auch auf die Beobachtung von André Voisin, dass eine Kuh auf der Weide ungefähr nach 3 Tagen zum selben Grasbüschel zurückkehrt. Daraus schloss er, dass nicht die Besatzhöhe zu Zerstörung führt, sondern die zu lange Verweildauer der Herde.

 

Quellen:

Eine kurze Zusammenfassung fand ich auf einer österreichischen und einer schweizer Site,  in Deutschland scheint diese Technik nicht  im Gespräch. Artikel und Forschungsberichte, die das System genau untersuchen, vor allem seine Wirtschaftlichkeit, fand ich in US-Amerikanischen Universitäten, australischen Forschungsstätten und Netzwerken. Diese Publikationen findet man mit diesen Stichworten: Rapid rotational Cell Grazing oder Managed Intensive Rotational Grazing MIRG.

Weidepflege

Ein Wiese regelmässig zu nutzen, birgt die Gefahr, dass sich dort die Parasiten konzentrieren und dass zweitens nach einiger Zeit alle schmackhaften Pflanzen ausgerottet sind.
Wegen der Parasiten empfiehlt es sich, die Standweide regelmässig abzumähen und ab und zu mit Branntkalk zu desinfizieren. Branntkalk ist stark ätzend und sollte bei Windstille und vor einem Regenfall ausgebracht werden.

Um in einer Wiese die schmackhaften Pflanzen zu erhalten, lässt man die Ziegen vorzugsweise nur einige Tage einen kleinen Teilbereich abfressen und „rotiert“ dann zum nächsten Teilstück. Ein nachfolgender Reinigungsschnitt verhindert, dass die Pflanzen, die die Ziegen verschmäht hatten, aussamen und überhand nehmen.

 

Womit die Weide düngen?

Je höher die Stickstoffdüngung, umso reduzierter der Leguminosenanteil und die Artenvielfalt. Sicherer ist es mit einer Mischung von Mist und Gesteinsmehl.

 

Foto: Wiese von Holger Berg; er düngt sie mit Rindermist und koppelt.

Hans Ramseier: Ich komme ganz ohne Düngerkauf aus. Jauche kommt 2-3 Mal im Jahr auf die Wiesen und zwar per Leitung – hier ist es zu steil zum Befahren. Die Einstreu besteht aus Strohhäcksel, welches mit dem Mist durch den Spaltenboden fällt. Der ganze Mist verschwindet im Jauchetank und kann über ein fahrbares Pumpenfass auf die Wiesen gepumpt werden.

 

Foto: Weil der Jauchetank gross genug ist, kann ich mit Auspumpen warten, bis der Schnee weg ist.

Im Frühjahr lasse ich Gesteinsmehl und etwas Kalk in den Jauchetank blasen – ein Tausender in die Jauche! Aber hinterher sehe ich: ich habe deutlich mehr Ertrag. Die Erdschicht wird dicker und der Wasserrückhalt besser. Im 86 bin ich unter den Transporter geraten und habe seitdem einen steifen Fuss. Ich kann also in den Steilhängen nicht mehr sicher gehen, deshalb sind Düngen und Kalken per Leitung die Lösung.

 

Gesteinsmehle

Die Minerale Naturzeolith (Klinoptilolith), Montmorillonit und Bentonit bestehen aus gemahlenem Tuff, haben deshalb hohe Mikroporosität, Kationenaustauschkapazität und Wasserhaltevermögen. Damit bieten sie eine riesige Oberfläche für die biologische Aktivität von Mikroorganismen und fördern damit die Bodenfruchtbarkeit.

Urgesteinsmehl aus Diabas und Basalt verbindet sich mit Mist oder Jauche zum idealen Dünger, der gleichzeitig Mineralien und Spurenelmente liefert und damit für gesunde starke Pflanzen sorgt und auch die Vielfalt verbessert, mehr zu Gesteinsmehl

 

Neu Einsäen

Haben die Ziegen allem Nahr- und Schmackhaften den Garaus gemacht, lohnt es, Teile einer Wiese umzubrechen und neu einzusähen mit Gräser und Leguminosen. Weissklee mögen Ziegen nicht, wohl aber Luzerne. Luzerne liefert zuverlässig proteinreiches Grünfutter und eine Bienenweide. Mit ihren 4 Meter langen Wurzeln holt die Luzerne auch auf trockenen und verdichteten Böden Feuchtigkeit aus der Tiefe und verbessert Zustand und Zusammensetzung der Wiese.

 

Fachliche Anregung

findet man auch hier: Die zwölf Gebote einer nachhaltigen Grünland-Bewirtschaftung

 

Bezugsquellen:

Diabas Urgesteinsmehl
Algomin Algenkalk: www.biokeller.de
Naturzeolith: www.ostwesttransfer.de
Kräutersaatmischung:www.kraeuterwiese.de (Mischung ergab ausschliesslich Weissklee mit Wegwarte).

 

Heubelüftung

 

„Das Grundfutter ist das grosse Potential in der Milchziegenhaltung.

Man muss ein Grundfutter schaffen mit mit 6MJ NEL/kg Trockenmasse. Deshalb investiert ein Betrieb 80.000 Euro in eine Heutrocknung. Silage ist nur dann eine Alternative, wenn man wirklich gute Qualität erreicht,“ sagt Bioland-Berater Andreas Kern, nachdem er zehn Betriebe, die Ziegenmilch liefern, betriebswirtschaftlich untersucht hatte.

Heubelüftung bannt die Gefahr von Selbstentzündung, Schimmelbildung und Verlusten durch Fermentation: Ist das Heu nicht ganz trocken, erwärmt sich der Heustock, dabei bauen sich Protein und Futterenergie ab, es gibt Verluste bis 35%.

Unter Dach Trocknung ermöglicht einen frühen Schnitt, bringt bessere Qualiät und höhere Milchleistung.

Gerald Brunner: Der Getreidepreis in der Schweiz ist höher als in der EU, deshalb ist hier eine kraftfutterbasierte Milchproduktion zu teuer. Gutes Grundfutter ist zentral – gute Grasmischungen – man kommt jetzt schon von Frankreich, um unsere Grasmischungen zu kopieren! Mit diesem Heu und nur 200 gr Getreide/Ziege/Tag bringen meine Ziegen eine Jahresmilchleistung von 700-800 kg.

 

Foto: Heu vom selben Schnitt verschieden eingelagert!

Cristina Perincioli: Das Heu links im Bild nach 5 Tage Trockenzeit auf dem Feld, d.h. 5 Mal gezettelt, 4 Mal Tau. Das Heu rechts klammfeucht eingelagert und belüftet. Vom Heu links verwerten die Ziegen höchstens 10%. Das Heu rechts wird zu 90% gefressen, es bleibt so gut wie nichts liegen. Insofern brauche ich davon zehn Mal weniger ernten und einlagern!

Unter Dach Trocknung kennt man in der Nordhälfte Deutschlands nur aus der Literatur.  So kommt die Jahresmilchleistung trotz Kraftfutter hier nicht über 400-500 Kg. Mittels Silage steigerte ein Betrieb die Jahresmilchleistung von 400 auf 500 Kg, bezahlte das mit 2 Todesfälle wegen Verunreinigung der Silage durch Maulwurfshügel.

Wie machen es unsere Nachbarn im Süden?

 

Foto: Bei einer Höhe von nur 30 cm wird diese Grasmischung geheut.

Ronald Brunner: Beim Mähen wird das Gras zusätzlich gequetscht, damit es leichter trocknet und gleich breit abgelegt. Am Nachmittag kreiseln und noch Mal am nächsten Morgen. Am zweiten Tag mittags schwaden und am Nachmittag einfahren. Der 2.Schnitt macht sich noch schneller: morgens mähen, mittags kreiseln, abends schwaden und nach dem Melken einfahren.

 

Foto: Die Heutrockunungsanlage saugt aus dem Raum zwischen Dach und Unterschalung angewärmte Luft und führt sie durch diesen Kanal zum Ventilator. Sogar nur angewelktes Gras könnte unter diesem Dach getrocknet werden.

Wird dagegen das Mähgut mit 30% Wassergehalt weiter auf dem Feld gezettelt, verliert man die Blätter und damit die wichtigsten Inhaltstoffe für die Milchproduktion.

 

Foto: Der Heustock liegt auf solchen Rosten, darunter wird die Luft eingeblasen. Die Wände der Heubox sind glatt und luftdicht, damit die Luft nicht seitlich entweichen kann.

Hans Ramsauer: Getreide kostet zu viel, um damit die Milchleistung zu forcieren. Meine Ziegen müssen kein altes Heu fressen; sie sollen das Heu mögen, so dass sie richtig einpacken.

Kathrin Bähler: Die anderen Betriebe hier säen Spitzenmischungen und mit der Heubelüftung erreichen die Spitzenheu. Für diese grossen Betriebe rechnet es sich, optimales Heu zu verfüttern. Umso weniger Kraftfutter muss man zukaufen.

 

Foto: Grosse Radial-Lüfter laufen langsam und sind dadurch leiser.

Peter Baumann: Hier gibt es keinen, der nicht nachbelüftet, entweder mit dem langsamlaufenden Lüfter der die Luft unter den Sockelrost bläst, oder mit einer senkrechten Heubome in der Mitte des Heustocks.

 

Peter Baumann: Ich habe die Heubombe hier waagerecht eingebaut, der Lüfter zieht ausserhalb des Heustocks die Luft an und bläst sie auf Bodenhöhe in den Stock. Damit sich die Luft verteilen kann, lege ich kleine Kanäle die sich wie Äste verzweigen. Das sind längliche Holzgitter. Die Heuschober auf den Bergwiesen haben keinen Strom, dafür stehen sie so, dass Luft gut hindurchzieht.

 

Foto: Heubombe senkrecht im Heustock. Mit wachsendem Heustock zieht man den Ventilator ebenfalls hoch.

Cristina Perincioli: Inzwischen habe ich die Heubombe waagerecht eingebaut wie Peter Baumann es weiter oben zeigt und erklärt. So wie hier abgebildet,  wird die feuchte Luft, die aus dem Heu aufsteigt, oben gleich wieder angesaugt – so kann keine Trocknung erfolgen. Die Ansaugluft muss durch eine Wand vom Heustock getrennt sein.

Trotz des verregneten Sommers 2011 – den ganzen Winter über gab es fantastisches Heu zu futtern.

Silage

Pierre Schlunegger: Maissilage im Silo, Grassilage zur Sicherheit nur in Rundballen, die werden auch genau kontrolliert auf Fäule oder Nachgärung. Probleme damit haben wir ganz selten. Wir produzieren auch Schnittkäse aus Rohmilch, thermisiert bis 60°C. Es gibt keine Probleme durch Buttersäure.

 

Foto: Pierre Schluneggers Maissilage – wichtig ist ihm, dass das Silo beschattet ist.

Hans-Peter Dill: Silage in einzelnen Ballen – das funktioniert auch für Ziegen, aber es darf nicht zu tief gemäht werden, darf keine Erde mit hinein gekommen sein. Zusammen mit Stroh fein gehäckselt und mit Getreide gemischt, ergibt das eine Art Brei: Die TMR, die „Total-Misch-Ration“, in der alles fein gemischt ist, wie für Kühe. Mit dem Futterwagen fährt man dem Futtertisch entlang, vorne wird das Alte eingesammelt hinten kommt per Rohr das Neue auf den Tisch geblasen. Da ist Silo drin, Heu, Stroh und Getreide oder ein anderes Energiefutter und die Mineralstoffe. Der Vorteil: das Energiefutter und das Grundfutter sind so vermischt, dass sie alles gleichmässig aufnehmen. Und es ist arbeitstechnisch bestens. Ich würde das nicht machen, weil ich das selektive Fressen der Ziegen für artgerecht halte, dann behindere ich die Ziege darin, das zu sein, was sie ausmacht.

Pierre Schlunegger hat einen Weg gefunden, den Ziegen die TMR schmackhaft zu machen: Fünf Mal Futter am Tag – würde man dieselbe Menge auf zwei Mahlzeiten verteilen, würden sie mehr liegen lassen. Und so geht das: Um 5 Uhr Futtermischung, beim Melken Getreide, danach Emd, um 12 Uhr Futtermischung auch um 16 Uhr, beim Melken Getreide und Abends, wenn alles fertig ist noch mal Heu. Ein Futtermischwagen und ein Förderband erleichtern diese Arbeit sehr.

Das Mischfutter besteht aus Heu, Emd, Gras- oder Maissilage, Mineralsalz und etwas Sojaschrot. Getreide gibt es nur beim Melken und je nach Milchmenge 500-800 Gramm am Tag. Damit produzieren die Gemsfarbenen 950 Liter im Jahr, die Saanenziegen 100 Liter mehr.

Diese Ziegen bekommen alles in den Stall geliefert gehen nicht auf die Weide. Das ist teurer, aber sie fressen es besser, lassen weniger liegen. Lässt man sie grasen, verschmähen sie es bei Trockenheit und auch bei Regen.

Sorghum

Sorghumhirse oder Mohrenhirse ist eine Hirse-Art in der Gattung der Süssgräser. Nach Weizen und Reis das meist gepflanzte Getreide. Es ist das wichtigste Brotgetreide in Afrika, wird aber weltweit in trockenen, warmen Gegenden als Futtergras angebaut. So auch in Südfrankreich. Sebastien Vernay erzählt, dass es täglich 15 cm wächst, das ist wichtig, wenn man so wenig Ackerfläche hat. Er füttert 2 Wochen an 1 Hektar, in 2 Monaten (September-Oktober) ergibt es 2-3 Schnitte. Um Sorgo zu ernten und zu verfüttern benötigt er 4-5 Std. am Tag, viel Zeit auch, um die Reste wieder rauszuräumen.

 

sorghum_bicolor

Foto von Daniel Georg Döhne, Lizensiert nach cc Attribution-Share Alike 3.0