Parasiten

Außenparasiten

 

Weidestechfliege

Haematobia irritans sowie stimulans

Weidestechfliegen saugen Blut aus Weidetiere und Menschen, ihr Stich ist schmerzhaft und sie treten im Massen auf. Sie belästigen die Weidetiere, so dass diese weniger fressen. Das führt zu Einbussen im Wachstum von Kälbern von 12%  und von 16%  bei der Milchleistung. (Ecological Restoration. Summer. Vol. 18, No. 2. p. 116−117.)

Weidestechfliegen können verschiedene Krankheiten übertragen, beispielsweise Brucellose, Dysenterie, Mastitis, Spulwurmeier, Kokzidien, e-Coli-Bakterien, Pasteuerellen, Augenentzündung etc., sowie

Stephanofilaria stilesi – winzige Nematoden, die sich in der Haut festsetzen. Es bilden sich haarlose Stellen, leicht erhöht mit kleinen blutenden Bereichen und juckenden Krusten (die Krankheit wurde 1980 in Australien das erste Mal beschrieben).

Hierzulande werden gegen diese Aussenparasiten Eprimex, Ivermectin, Butox, Auripak etc. empfohlen.

Es reicht nicht, die Fliegen zu bekämpfen, effektiver ist, ihre Entwicklung im Mist verhindern.

• Den Mist aerob kompostieren oder ausbringen, allerdings in Lagen dünner als 3 cm.

• Auf der Weide nach Möglichkeit die Dunghaufen auseinander ziehen, so dass sie schneller trocknen.

• Weide regelmäßig wechseln, so dass sich keine Misthaufen ansammeln. Solche Haufen benötigen Weidestechfliegen zur Vermehrung; dort leben Ei, Larve und Puppe.

60 bis 80 Stechfliegen entwickeln sich innert 5 Tagen in einem einzigen Dunghaufen. Sind dagegen Mistkäfer vorhanden, fressen diese Ei und Larve und können so die Fliegenplage um 95% reduzieren.(Knutson, Allen. 2000. Dung beetles – Biological control agents of horn flies. Texas Biological Journal)

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Foto: Eingang zum unterirdischen Reich eines Mistkäfers

 

Nützlinge / Parasitoiden

Brackwespe
Braconidae

Sehr effektiv ist die Brackwespe (Parasitic wasp). Wie auch die Schlupfwespe legt sie ihre Eier mittels auffällig langem Legestachel in die Eier von Schädlingen; beide gehören zu den Parasitoiden, biologischen Schädlingsbekämpfern.

 

Chemische Insektizide

IGR sind Larvizide, sie geben der sich entwickelnden Fliegenlarve ein chemisches Signal, das ihr suggeriert, sie habe ihre Endentwicklung erreicht. So werden sie nie Fliegen. Dieses Mittel wird als Bolus verfüttert und schadet dem Säugetier nicht.

 

Innenparasiten

Prävention mit pflanzlichen Mitteln und geschicktem Weidemanagment sind interessant, weil die chemische Entwurmung unabsehbare Folgen haben kann.

Worauf es wirklich ankommt,

zeigt eine Untersuchung über einen Sommer im englischen Pferdezuchtzentrum Newmarket: Eine Gruppe Ponys blieb unbehandet, eine Gruppe wurde im Frühjahr, Sommer und Herbst entwurmt. Regelmässige Kotproben ergaben: die behandelten Tiere war etwas weniger stark verwurmt als die unbehandelten. Am wenigsten Würmer zeigte aber eine dritte Gruppe die nicht entwurmt, bei der aber zwei Mal die Woche der Kot abgesammelt wurde. Sie hatte fünf Mal weniger infektiöse Wurmeier als die regelmässig „entwurmte“ Gruppe!

 

Weidemanagement

Pic-Bois: Viele Weiden nutzen wir nur temporär, weil sie sonst Getreide tragen (für die Bäckerei) und wir heuen die Weiden regelmässig.

Emmanuel Denton: Meine Ziegen haben eine grosse Standweide, auf der infizieren sie sich nach der Entwurmung immer wieder neu.

Pierre Schlunegger: Weil unser Ziegen nicht auf der Weide stehen, sich nicht beim Grasen die Parasiten holen, sind unsere Kotproben meist negativ.

Wir haben Essig als Entwurmung probiert: dreimal etwas Essig ins Futter, ja es war ein Effekt zu sehen.

Hans-Peter Dill: Wir haben sie drei Wochen auf einer relativ grossen Weide gelassen, statt alle 3 Tage eine neue Portion zu geben. Drei Wochen – das war schon zu lang. Sobald sie länger als 3 Tage auf einer Weide sind, bekommen sie die Sorte Würmer zurück, die sich in diesen kurzen Zyklen vermehren. Ideal wäre, auf jeder Portion nur 3 Tage weiden lassen, aber uns macht das zu viel Arbeit.

Jahrelang hatten wir überhaupt kein Problem mit Würmern, aber die Weide verwurmt von Jahr zu Jahr mehr, der Druck steigt so, dass das Problem plötzlich massiv wird und die Weide nur noch fürs Heu genutzt werden kann oder aber sie wird umgebrochen und neu eingesät. Jene die auch ihr Getreide selbst anpflanzen, haben hier einen grossen Vorteil, die können immer wechseln.

Cristina Perincioli: Eine Standweide ist immer gefährlich, besser die Ziegen gehen stundenweise grasen und ruhen danach auf einem wurmlosen Boden: Sand, Betonplatten, wo nichts wächst. Beispiele hierzu in Auslauf.

 

Entwurmen mit Chemie

Cristina Perincioli: Mit einem mehr an Kupfersulfat im Mineralfutter lässt sich laut Praktikern in Australien sehr preiswert der Wurmbefall eindämmen. Auch wenn Kupfersulfat im Übermass die Leber schädige, so gilt das für die Entwurmungsmittel vermutlich erst recht. Die Entwurmungsmittel des Tierarztes sind alle Nervengifte und können auch hier Schäden hinterlassen.

Emmanuel Denton: Er entwurmt mit Eprinex pour-on. Äusserlich angewandt muss man der Ziege immer die doppelte Dosis geben (also 2ml auf 10kg Lebendgewicht). Er hat es aber auch oral verabreicht und damit ausgezeichnete Ergebnisse, dann allerdings in einfacher Dosis. Nur bei „pour on“ auf die Schulter gelangt es in die Blutbahn und hilft auch gegen Lungenwürmer. Aber die sind für die Milchleistung und Gesundheit unwesentlich. Dieses Verfahren prüfte er indem er alle 2 Wochen eine Kotprobe untersuchen liess, so sammelte er Erfahrungen.

Sabine Denell: Damit die Mütter während der Ablammzeit keine Energie an die Würmer verlieren, entwurmen wir sie vorher zweimal. Wichtig: Regelmässig die Wurmmittel wechseln um Resistenzen zu vermeiden!

Aber: Verwendet man Eprinex, dann nützt es nichts, zu Ivomec oder Cydectin zu wechseln, weil deren Wirkstoff – wie der Name vermuten lässt – mit Eprinomectin verwandt ist. Man muss zu anderen Wirkstoffgruppen wechseln.

Die zeigen sich inzwischen als wenig wirksam. Resistenzen haben sich bei Levamisol seit 1967 und bei der Wirkstoffgruppe der Benzimidazole seit 1960 gebildet. Das betrifft Panacur (Fenbendazol), Valbacen (Albendazol), Ovitelmin (Membendazol) und Rintal (Febantel)

Aus „Schafzucht“ 9/2010

Thesen der französischen Ziegenversuchsanstalt Pradel:

  • Im Frühjahr vor dem ersten Weidegang entwurmen.
  • Die Infektionszyklen sind im Frühjahr 27-35 Tage, wobei die Larven bis zu 12 Monate überleben, danach den Weidewechsel richten!
  • Im Sommer auf Weidehaltung verzichten, also heuen, denn warm und trocken vernichtet die Parasiten; im Herbst dann wieder Weidegang und vorher entwurmen.
  • Resistenzen vermeiden: Es wird in der Regel zu schwach dosiert und zu häufig entwurmt; besser 2 Mal extern 1 Mal intern. Also höchstens dreimal im Jahr, dann aber ausreichend dosiert! Für die Benzimidazole benötigt die Ziege zweimal die für Schafe angegebene Dosis, gegeben innerhalb von 12-24 Std.
  • Vom Levamisol verabreicht man 12ml/kg oral (statt 7,5 wie für Schafe). Dabei hält man sich immer an das schwerste Tier, bei Ziegen sind da 80 kg zu erwarten. Bei der oralen Gabe darauf achten, dass das Mittel hinter der Zunge apliziert wird.
  • Pflanzen mit Tannin drängen Wurmbefall zurück.

 

Nebenwirkungen auf Ziege und Bodenleben

Chemische Entwurmer sind Nervengifte. Sie stören und zerstören die natürliche Darmflora, belasten die Entgiftungsorgane Leber und Niere.

Was im Darm die Parasiten vernichtet, kommt mit dem Kot in den Boden. Wieweit beeinträchtigt diese Chemie auch das Bodenleben? Der Zustand des Bodenlebens entscheidet über Ertrag und Gesundheit der Pflanzen, deshalb ist diese Frage wichtig. Nur soviel vorab: Rinderhalter beobachten, dass Kuhfladen längst nicht so schnell zersetzen, wenn sie ihre Rinder mit Eprinex behandeln.

Foto: Der Mistkäfer – er taucht auf, wo immer es Ziegenköttel zu rollen gibt – er verschwindet bei Eprinex.

Vermutlich sind auch alle anderen Mistvernichten betroffen; können sie ungestört arbeiten, dann verschwinden die Ziegenköttel so schnell im Boden und werden verdaut, wie sie fallen. Dann haben die Wurmeier im Kot keine Zeit, sich nicht zu Larven entwickeln, welche dann auf die Grashalme klettern. Diese Helfertruppe wird durch Wurmmittel ebenfalls weggeputzt.

 

Kupfersulfat

Früher nutzte man Kupfersulfat gegen Innenparasiten. Mehr dazu, wie dies heute in Australien verwendet wird.

 

Mit Pflanzen Entwurmen

Ob pflanzliche Entwurmungsmittel genauso gut entwurmen wie chemische Mittel? Crissy Orr wollte es wissen. Sie entwurmte eine Hälfte ihrer Herde mit einem pflanzlichen Entwurmungsmittel, die andere mit Ivermectin. Dann untersuchte sie Kotproben jeder einzelnen Ziege und stellte fest, dass mit dem pflanzlichen Mittel zwei Wurmgruppen völlig verschwanden: Fadenwürmer (Strongyloide) und der Bandwurm (Monezia). Nach der chemischen Entwurmung fanden sich davon immerhin noch 29% resp. 21%. Ebenfalls stärker als mit Ivermectin reduzierte das pflanzliche Mittel die Kokzidien und Lungenwürmer. Der genaue Bericht findet sich hier und ist ein Tip von Sabine Martini-Hanßke.

Das Mittel, das in diesem Versuch verwendet wurde, gibt es in den USA bei Hoegger Supply. Es wird pro Ziege je 1 Teelöffel in deren Getreide gemischt und besteht aus:

  • Wermut
  • Enzianwurzel
  • Fenchel
  • Flohsamen (Wegerich-Gewächs)
  • Quassia (Bitterholzbaum)

Dieses Mittel wird durch keine Wartezeit für Milch und Fleisch eingeschränkt, aber nur deshalb, weil es nicht als Medikament gilt. Aber auch bei pflanzlichen Mitteln ist Vorsicht geboten:

Quassia(Bitterholzbaum) wird oft in Pflanzenschutzmitteln verwendet.

 

Foto: Wermut (Artemisia absinthium) links, Beifuss (Artemisia vulgaris) rechts; ähnlich aussehend, aber wirkunsglos.

Wermut heisst auf englisch Wormwood, „Wurmholz“. Wermut kann Leber, Niere und Nerven der Ziegen schädigen, wenn regelmässig oder in zu hohen Dosen verabreicht. Es wird empfohlen alle 6-8 Wochen während 3 Tagen den pflanzlichen Entwurmer zu verfüttern. Anders als chemische Mittel müssen Entwurmungsmittel auf pflanzlicher Basis mehrmals übers Jahr verteilt verabreicht werden.

Andere „Herbal wormers“ setzen sich aus dieser Mischung zusammen:

  • Wermut (englisch Wormwood)
  • Schwarznuss-Hülse
  • Knoblauch
  • Süsskraut (Stevia)
  • Kürbiskerne
  • Beifuss
  • Thymian
  • Ysop
  • Fenchel
  • Rainfarn
  • Pfefferminze
  • Klette

Das klingt ja wie ein schöner Wegrand! Nur dass Wegränder heute auch nicht mehr das sind, was sie mal waren… eine Apotheke!

 

Traditionelles Wissen
Juliette de Bairacli Levy schrieb 1952 in ihrem grundlegenden Werk „The Complete Herbal Handbook for Farm and Stable“ auf, womit früher entwurmt wurde (bevor die Pharmaindustrie dieses Feld übernahm):
Wurmverseuchte Standweiden wurden stark gekalkt, mit Knoblauch bepflanzt oder mit Senf eingesät und dann untergepflügt.

Als Entwurmer nennt sie Knoblauch an erster Stelle, weil damit auch die Lungen  erreicht werden (Verwurmung macht sich uch mit Husten bemerkbar). Knoblauch in erster Linie als Vorbeugung, ebenso Bärlauch, Eberraute, Rettich, Rüben, Senfsamen und Senfpflanzen, sowie Kürbis-, Melonen- und Traubenkerne. Alle Entwurmer sollten nach einem kurzen Fasten verabreicht werden (S. 192-195).

 

Schwarznuss Juglans nigra gehört zur Familie der Walnussgewächse, sie enthält Juglon, welches die Schwarzfärbung der absterbenden Pflanzenorgane bewirkt, es hat eine phytotoxische Wirkung auf umstehende Pflanzen und ist auch für Fische und Pilze giftig, heisst es in Wikipedia. Vermutlich gilt dies genauso für die Hülse der europäischen Walnuss.

 

Rainfarn, Tanacetum vulgare, Chrysanthemum vulgare, wird auch Wurmkraut genannt! Größere Mengen als 1 bis 3 Gramm Rainfarn rufen Vergiftungserscheinungen hervor. In der Tierheilkunde wird Tee daraus Kälbern und Kühen bei Durchfall verabreicht. (Wikipedia). Rainfarn enthält in großen Mengen das Nervengift Thujon. Aufgrund des schwankenden Thujon-Gehalts besteht beim Rainfarn die Gefahr starker Nebenwirkungen, so dass er heute nur noch in der Homöopathie zur Behandlung von Erschöpfung und Krämpfen eingesetzt wird. (http://www.heilpflanzenkatalog.net)

Wurmfarn Die Arten der Gattung Dryopteris enthalten in den Wurzelstöcken als medizinisch wirksame Substanzen Phloroglucinverbindungen („Filizin“), die Darmparasiten lähmen. Die Extrakte wurden daher früher zur Behandlung von Bandwurmbefall eingesetzt. Wegen zahlreicher Vergiftungen, auch mit tödlichem Ausgang, wurde der Wurmfarn inzwischen auf die Negativliste der Phytopharmaka gesetzt. Nur beim Versagen moderner Bandwurmmittel werden diese Mittel von qualifizierten Heilpraktikern eingesetzt. (Wikipedia)

Vor Wurmfarn, Rainfarn und Wermut wird gewarnt. Richtig! Nur, die Dosis macht das Gift! Dass aber die chemischen Entwurmungsmittel auch giftig sind – wie sonst können sie Würmer lähmen und töten, sowie die Kompostwürmer und Rosenkäfer u.v.a. Ziegenkotverarbeiter vernichten – darüber wird nicht geschrieben.

Pic-Bois: Wir bereiten aus grossen Mengen Knoblauch eine Abkochung, davon werden einige cl ins Maul gespritzt.

Wissenschaftliche Untersuchungung haben leider keine

 

Ziegen, die sich selbst entwurmen

Hans Ramseier: Die Ziegen gehen z.T. extrem verwurmt auf die Alp und kommen dann im Herbst völlig sauber herunter. Da fragt man sich, wie das passiert! Das versuche ich auch im Winter zu erreichen mit Tannen-, Himbeer- und Brombeerzweigen, was eben grade rumliegt. Das, was sie auch auf der Alp fressen. Farn – dass Farn nicht gesund ist für ein Tier, das weiss man – aber die Ziege nimmt ab und zu ein Maul voll davon.

Pedro Fournier: Ich nutze Phythotherapie und Homöopathie zum Entwurmen. In der Natur entwurmen sich die Ziegen selbst, indem sie Tannenrinde fressen.

Daniel Durrell: Einmal im Jahr gebe ich ein pflanzliches Entwurmungsmittel (leider weiss er nicht was drin ist) 2—3 Monate vor dem Ablammen. Täglich sind die Ziegen von 10 bis 18 Uhr auf der Weide, das fördert auch die Qualität der Käses und sie entledigen sich der Würmer, so wie das die Wildtiere auch tun, zumal diese Weiden ziemlich verbuscht sind.

 

Phytotherapie mittels Tannin

Tannin ist Gerbstoff, der in der Rinde von Weiden, Eichen, Birken und Kastanien vorkommt, sowie in Weinreben und in der Futterpflanze Esparsette (links). Für die Phythotherapie wir der Gerbstoff der Blutwurz (rechts) verwendet.

Inzwischen wurde in der Schweiz die Wirksamkeit von Esparsette zur Parasitenabwehr beforscht. Ein Merkblatt zu Anbauempfehlungen findet sich auf der Plattform der Schweizer Biobäuerinnen und Biobauern bioaktuell.ch Sie schreiben: „Die Esparsette Onobrychis sativa ist eine Futterpflanze und Leguminose mit guten Nährwerten und kondensierten Gerbstoffen. Diese verbessern die Verwertung der Eiweisse bei den Wiederkäuern und schwächen die Magen-Darm-Parasiten. Infektionen werden dadurch gehemmt.“ Nur die Blättern enthalten viel Tannin, deshalb Bröckelverlust vermeiden.

Untersucht wurde die Wirkung der Esparsette, sie enthält 4-10% Tannin und zeigte Wirkung gegen Magen-Darm-Strongyliden, selbst gegen Haemonchus contortus. Die Esparsette dürfte auch die Eiausscheidung reduzieren und somit zu einer Verringerung der Weidekontamination beitragen. Auch Wegwarte und Hornklee sind nützlich, dank eines wenn auch geringen Tanningehalts. (siehe Gernod Rahman 2007 / Leopold Podstatzky 2009.

Nicht untersucht wurde Robinie, deren Rinde 3-6% Tannin enthält – in der Eichenrinde sind es bis 10%. Mit Tannin schützen sich diese Hölzer gegen Pilze und Insektenfras. Robinienlaub kann unter Stress auch giftig werden: „Es wurde gezeigt, dass Akazien außerdem über ein Kommunikationssystem verfügen, um sich untereinander vor Fraßfeinden zu warnen. Dies geschieht über die Ausbreitung von Ethylen über die Luft, was andere Akazien dazu anregt, in ihren Blättern giftige Tannine anzureichern. Entdeckt wurde dies, nachdem über 3000 eingezäunte Antilopen verendeten, die zwangsweise nur Akazien in dem eingezäunten Gebiet zum Fressen zur Verfügung hatten, und dabei nicht ihrem Instinkt folgend beim Fressen gegen die Windrichtung von Baum zu Baum wechseln konnten.“ (Wikipedia).

 

Pflanzen, die die Parasitenabwehr stärken

Kürbiskern, Fenchel, Kümmel, Schwarzkümmel, Cumin, Kurkuma (Gelbwurz), Knoblauch (4 Gr/kg Körpergewicht)

Fieberklee, Sanddorn, Schnittlauch, Geissblatt, Hopfen, Meerrettich, Brunnenkresse, Brennessel, Senf. Davon immer nur paar Blättchen pro Tag. Das empfiehlt „The Complete Herbal Handbook for Farm and Stable“ um Innenparasiten zu vertreiben. Da findet sich auch eine Dosierung für Wermut: 1 Handvoll Wermut in einem knappen Liter Wasser überbrühen und mit einem EL Honig süssen. Davon zweimal täglich 1 Verschlusskappe voll (1 handful herb brewed in 1 1/2 pints water + 1 Tbs. honey, give one capful twice daily).

Konstitution stärkt man auch mit Mohrrüben, rote Beete und homöopatisch mit Calcium carbonicum C /D 200,

 

Cristina Perincioli: Im Winter, wenn im Wald gerade gefällt wurde, kann man Kiefernreste verfüttern. Über den Förster erfährt man, wem dieses Stück Wald gehört, fragt den Besitzer, ob man die Wipfel und Zweige holen kann.

Es lohnt, nur jene Teile zu holen, deren Rinde noch grün ist. Die enthalten die relevanten Inhaltsstoffe, die gegen Innenparasiten helfen und wohl auch sonst wichtige Vitamie etc., die im Winter sonst fehlen. Die Ziegen sind auch sehr dankbar, wenn es „was zu tun gibt“.

Das aus Stamm- und Astwunden von Nadelhölzern ausfließende Sekret heißt Terpentin, wenn das Terpentinöl verdunstet ist, bleibt der Harzbrocken übrig. Deshalb sind die Ziegen auch an grüner Rinde besonders interessiert, da ist es noch drin.

 

Foto: Geschickt hält sie den Ast fest, um ihn systematisch zu schälen. Am Boden liegend würden die Zweige schnell verschmutzen und verschmäht werden. Aufgehängte Äste bleiben sauber, können aber nicht entrindet werden – und auf die Rinde kommt es an!

Im Frühjahr brennt man die Reste ab und bekommt mit dieser Asche vorzügliches Mineralfutter, das die Ziegen sofort wegputzen, hat man es nicht für seine Gartenbeete genommen. Alles ist gut, was die Parasiten eindämmt. Weg bekommt man die Würmer doch sowieso nicht, es geht vielmehr darum, sie in einem verträglichen Rahmen zu halten und die Konstitution der Ziegen zu stärken.

 

Foto: Eigentlich sind sie Nomaden!

Hans-Peter Dill: Das wichtigste ist nicht, die Würmer zu bekämpfen, sondern die Ziegen widerstandsfähiger zu machen. Das versuchen wir mit Rüben, rote Beete, Möhren, die aus demselben Boden kommen. Maria Thun empfiehlt rote Beete zu füttern gegen Verwurmung. Ihre Theorie dazu habe ich mir so zurechtgelegt: Ziegen sind ja eigentlich Nomaden, aber wir verhindern dieses Weiterziehen und binden sie an einen Standort. Und so steigert sich die Verwurmung erst. Diese Wurzelfrüchte schaffen eine positive Verbindung zu diesem Standort, von dem die Gefahren ausgehen: Verwurmung und Clostridien. Dank dieser Wurzelgemüse können sie eine standortgemässe Abwehr aufbauen – ja, die Theorie ist ziemlich esoterisch.

Unsere Flächen sind auch zu klein, um Getreide anzubauen, aber mit Wurzelfrüchten haben wir einen relativ grossen Energieertrag, höher als bei Getreide. Leider ist der Pflegeaufwand sehr gross: Sie müssen geharkt werden und einen Vorsprung auf das Unkraut haben. Deshalb säen wir nicht, sondern pflanzen sie im Juli aus und ernten sie vor dem Frost. Sauber machen ist dann noch ein Problem.

 

Stallhygiene

Sabine Denell: Hygiene hilft gegen Verwurmung und Clostridien: Sauberer Futtertisch, kein Sand drauf, kein Dreck, kein Wasser! Regelmässig Stroh einstreuen. Im Getreideraum, auf dem Futtertisch und im Heu tragen wir extra Schuhe. Damit reduzieren wir die Kokzidienbelastung im Futter

 

Impfen gegen Clostridien

Sabine Denell: Will man viel Milch, muss man auch viel Eiweiss füttern. Da ist die Gefahr gross, dass sich die Clostridien stark vermehren. Wir impfen deshalb gegen Clostridien, weil es immer die leistungsstärksten Tiere trifft. Diese Impfung (z.B. mit Covexin 10) ist auch gegen Tetanus, den auch Tetanus ist ein Clostridium. Während der Tragezeit impfen wir und dann (min. 6 Wochen später) nochmal 2 Wochen vor dem Ablammen; so bekommen die Lämmer eine Grundimmunisierung, die dann im Alter von 3 Monaten erneuert wird.

Clostridienen sind immer im Dünndarm vorhanden. Ist der Nahrungsbrei besonders energie- oder eiweissreich, dann vermehren sie sich extrem und verdrängen die anderen nützlichen Bakterien. Immer ist eine unausgewogene Futterration die Ursache: zuviel Eiweiss oder zu viele schnell verdauliche Kohlenhydrate (z.B. einen Haufen Äpfel) . Wenn der Durchfall da ist, ist das Problem schon einige Tage alt und es eilt: dann hat man noch höchsten 12 Stunden Zeit, die Clostridien zu bekämpfen. Das geht nur mittels Antibiotikaspritze vom Tierarzt.

Mineralien

Mineralfutter

Neben dem üblichen Salzleckstein für Schafe bekommen Ziegen ein spezeilles Mineralfutter, das mehr Kupfer enthölt und möglichst die Mängel des Standortes ausgleicht; norddeutschen Böden fehlt es beispielsweise an Selen und an Kupfer. Doch industriell hergestelltes Ziegenmineral wird von den Ziegen u.U. verschmäht, außer es ist mit reichlich Melasse versüsst.

 

Hecken

Bäume und Büsche enthalten viel mehr Mineralien als Gras. Frei laufende Ziegen ernähren sich zu einem guten Teil von Blättern. Mit der heute üblichen Gras-/Heufütterung riskieren wir also Mineralmangel. Verschiedene Anzeichen signalisieren diesen und schwere Krankheiten sind die Folge. Eine Übersicht findet sich bei www.gesunde-geiss.de/mangel-krankheiten
Pat Coleby erinnert daran, dass Ziegen am besten in Busch- und Baum-bestandenem Gelände gedeihen. Sie empfiehlt, um die Ziegenweide herum Hecken zu pflanzen und diese mit einem Zaun zu schützen. Im übrigen würden Ziegen Bäume nicht entrinden, wenn man ihnen ausreichend Kupfer zur Verfügung stelle!

Gesteinsmehl

Gesteinsmehl aus Urgestein (Basalt und Diabas) versorgt den Boden mit vielen Mineralien und mit Kalk, der aber nur langsam zur Wirkung kommt. Gesteinsmehl stabilisiert  den pH-Wert langfristig im Gegensatz zu kohlensaurem Kalk, mit dem man die Auswaschung von Nährstoffen riskiert. In einer Körnung von kleiner als 0,09 mm bietet das Mehl eine riesige Oberfläche für biochemische Reaktionen und zur Bindung von Wasser.

Landwirtschaftlich genutzte Böden sind heute oft mit Nitrat, Kalium und Phosphor überdüngt. solche Böden treiben das Wachstum der Pflanzen an und verhindern eine ausreichende Aufnahme von Spurenelementen, die dann in der Nahrung von Nutztieren und Menschen fehlen.

Gesteinsmehl liefert dagegen Magnesium, Eisen und Spurenelemente, Kieselsäure, Aluminium (Tonminerale), Kalk. So können überdüngte Böden in eine ausgewogene Nährstoffbilanz gebracht werden – ohne Bodenanalyse und künstliche Mineralsalze.

Auch Kalium liefert Gesteinsmehl nicht in gelöster Form, sondern wird nach und nach an den Boden abgegeben ohne Gefahr einer Überversorgung, weshalb es auch ohne Bodenanalyse ausgebracht werden kann.

Gesteinsmehl ist kein Dünger, wirkt aber wie solcher, da es die fehlenden Spurenelemente zum Wachstum liefert. Gibt man Gesteinsmehl zu organischen Stoffen (Mist, Jauche) wird die Mineralisierung des Stickstoffs beschleunigt, d.h. der Stickstoff wird aus seiner organischen Verbindung gelöst und pflanzenverfügbar gemacht.

 

Anwendung in der Viehhaltung

Man kann es mit einem Streugerät auf die abgemähte Wiese bringen – 1 t/ha – oder man spart sich diese Arbeit und streut Schichten von Gesteinsmehl im Stall aus, jeweils bevor eine weitere Lage Stroh es zudeckt. So bindet man Geruch und Säure und verhindert Ammoniak, der die Lungen der Tiere angreift; eine Stalldesinfektion ist überflüssig.

In die Gülle geblasen oder dem Mist zugemischt – 10-20kg/Kubikmeter – werden Fäulnis, Gestank und Fliegen vermieden, die Verrottung beschleunigt und eine höhere Temperatur erreicht, weil sich dank Gesteinsmehl der pH-Wert innert Tagen von 5 auf 7,5 verschiebt.

 

Erfahrungen von Landwirten

Das Gras von mit Mist oder Jauche gedüngte Flächen fressen die Kühe bereits nach 4 Wochen – wenn dieser Dünger mit Gesteinsmehl versetzt war. Es entsteht dann auch keine Gülle-Flora, wie Bärenklau und Wiesenkerbel. So behandelte Wiesen liefern besseres Futter, so dass auf Kraftfutter verzichtet wurde, in Folge stiegen auch die Qualität der Milch und des Käses signifikant.

Gesteinsmehl ersetzt nicht das Düngen! Düngen ersetzt nicht die Verwendung von Gesteinsmehl – doch zusammen wirken sie ideal! Erfahrung der Anwender: wird der Hofdünger mit Diabas-Gesteinsmehl angereichert, muss kein Handelsdünger zugekauft werden.

 

Vorsicht bei der Ausbringung!

Gesteinsmehl ist nicht giftig, doch sollten die feinsten Gesteinspartikel nicht eingeatmet werden oder in die Augen geraten, weshalb man es bei Windstille und mit Atemschutz streut.

Gesteinsmehl wird zur Schädlingsbekämpfung auf Pflanzen gestäubt; es schädigt Insekten durch Verkleben der Atemöffnungen und Sehorgane, weshalb es abends und nicht zur Flugzeit der Bienen ausgebracht wird.

Will man es mit dem Futter verabreichen, sollte dieses leicht feucht sein, damit es nicht als Staub eingeatmet wird. Schweine- und Rinderhalter streuen es über das Futter: 80gr/Tag/Rind deckt deren Mineralbedarf.

 

Zusammenfassung eines Berichts von Dr. Eleonore Hohenberger
gefunden auf der Website der Hartsteinwerke Schicker:
https://www.schicker-mineral.de/index.php/unternehmen/diabas-urgestein.html

 

 

Zuwendung

Zuwendung um zu genesen

Sabine Denell: Je grösser die Zuwendung, umso besser die Heilungschancen. Die Anthroposophen haben viele Versuche mit Homöopathika gemacht mit Placebos und im Doppel-Blind-Versuch. Die Heilungsrate mit dem Mittel war fast immer gleich wie mit dem Placebo. Was heisst, wenn man sich einem kranken Tier zuwendet, es beachtet, dann wird es nicht verunsichert und wird auch schnell wieder gesund. Verunsicherung ist Stress, das ist wie beim Menschen, dann kommt es auch zu Unfällen.

– Was ist Zuwendung und was Verhätscheln?
Hans-Peter Dill: Verhätscheln ist eine Art Missbrauch. Missbrauch ist, wenn man zu viel von seinen eigenen Problemen auf das Tier projiziert. Falsche Zuwendung kann auch krank machen. Es reicht nicht, die Tiere stundenlang zu striegeln. Es braucht auch eine natürliche Autorität, die man gewillt ist auszuüben.
Die Zuwendung ist nur dann für das Tier wertvoll, wenn sie vom Chef kommt und nicht von jemand, der sich unterordnet. Bei allen Beziehungen ist das meiste Projektion, auch unsere Tiere können wir nie ohne das sehen, was wir in ihnen sehen wollen. Die Qualität der Zuwendung nimmt zu, je weniger ich in einer Projektion gefangen bin. Das ist eine Frage der menschlichen Reife und des Trainings im Umgang mit Tieren.
Kinder können das oft besser, weil sie noch nicht so geübt sind auf andere was zu projizieren, weil sie selbst ja meist Objekt sind, also Empfangende. Nun haben die Ziegen auch Projektionen, es ist ja nicht so, dass die davon frei wären. Kindern wiederum fällt es viel leichter, diese Erwartungshaltungen der Ziegen zu empfangen und auch zu erfüllen.