Markieren

Innerbetriebliche und amtliche Kennzeichnungen


Amtliche Kennzeichnungen

Alle Tiere, die den Bestand verlassen, müssen eine Ohrmarke tragen mit der Nummer des Betriebes.

Lämmer, die für Zucht in Frage kommen, müssen mit neun Monaten rechts und links gelbe Ohrmarken tragen mit der Betriebsnummer. Ab 2010 ist eine zusätzliche Kennzeichnung per Chip Vorschrift. Für alle anderen Lämmer reicht die Kennzeichnung mit einer einzelnen weissen Ohrmarke.

Am einfachsten ist es, diese Ohrmarken in den ersten Lebenswochen zu setzen; später sind sie zu kräftig zum Festhalten. Wenn sie dann ausbüchsen, bevor man die Zange von der Ohrmarke lösen kann, reisst das Ohr.

Hans Ramseier: Die Frischgeborenen erhalten ein Bändchen um den Hals, auf dem die Nummer der Mutter und die des Vaters steht. Mit der Zange markiert werden sie erst einen Monat später, nach dem Enthornen, wenn sie noch eingeschläfert sind. In der Schweiz enthornt nur der Tierarzt und nur unter Vollnakose.


Hier setzt Sabine Denell vorläufige Ohrmarken. Rot ist diese innerbetriebliche Markierungen, die selbst beschriftet werden kann. So erhält jedes Tier kurz nach der Geburt erstmal eine Lamm-Nummer.


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In der Decksaison will man schnell erkennen, welche Ziegen mit dem eingesetzten Bock verwandt, resp. nicht verwandt sind. Hier helfen verschiedenfarbige Halsbänder, manche sprühen einfach Farbe auf das Fell.

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Ein Fussband hilft, einzelne Ziegen auch auf dem Melkstand zu identifizieren.

Halsbänder sollten breit sein: Es kann schon mal vorkommen, dass Ziegen ein Horn unter das Halsband der Kontrahendin stecken und zudrehen. Im Schleusenhof Regow bekommen die ausgewachsenen Ziegen ein Band mit aufsteckbaren Ziffern um den Hals.

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Diese Ziffernkombination bedeutet, dass die Ziege zum Jahrgang 8 gehörte. Sie war also 11 Jahre alt, als sie das Halsband abgab, etwa so lange halten die Nummern. Die nachfolgenden zwei Ziffern zeigen die Lamm-Nummer: Sie war das 23. Lamm im Frühjahr 1998.

Das Band wird vor und zurück durch zwei flache Ringe gezogen; dieser Verschluss sitzt sehr fest, weder zieht sich das Band zu, noch löst es sich. Allerings bekommt die Ziege es erst mit zwei Jahren, wenn sie ausgewachsen ist.

Enthornen

Man enthornt Ziegen, um schwere Verletzungen, wie aufgeschlitzte Euter u.ä. zu vermeiden. Nun hat eine Arbeitsgruppe von sieben Wissenschaftlerinnen an der veterinärmedizinischen Universität Wien untersucht, ob das Enthornen Verletzungen und Stress in der Ziegenherde wirklich verringert.

Dabei stellten sie fest, dass enthornte Ziegen aggressiver sind, sich öfter tätlich angreifen, wo die Drohgebärde einer behornten Ziege schon ausreicht und der Kampf vermieden wird. Ihr Bericht „Enthornen bei Ziegen: Keine direkte Wirkung auf sozialen Stress oder Betreuungsaufwand“ ist hier auf der Site der MedVetUniVienna in der Kurzfassung zu  lesen; auch den Endbericht von 2009 kann man dort als PDF finden.

Enthornen ist – so nahe am Gehirn – ein ein riskanter Eingriff. Ein Zicklein, kaum geboren, einer Vollnarkose auszusetzen, wie in der Schweiz Pflicht, ist ebenfalls abwegig (30% der Kitze sterben an der Narkose).

Sinnvoller wäre es, Ställe so zu bauen, dass Ziegen Platz zum Ausweichen haben, also Sackgassen und Engstellen vermeiden, in denen unterlegene Tiere verprügelt werden. Erhöhten Podeste und Regal-Bretter an den Wänden bieten individuelle Rückzugsorte. Unter den Fressgittern empfehlen sich Palisadenfressgitter, die auch den Blick nach hinten ermöglichen. Nackenriegel und Diagonalfressgitter erzeugen Stress, weil Angegriffene sich daraus nicht schnell genug zurückziehen können.

Kämpfe ohne Hörner haben stumpfe Verletzungen zur Folge, die weniger sichtbar sind als geschlitzte Euter. Sie sind nicht ungefährlich, werden aber leicht übersehen. Bei Rangkämpfe mit dem unbehorntem Kopf – denn gekämpft wird ja trotzdem – fehlen die Hörnern zum Abfedern.

Möglich ist auch, die besonders aggressiven Individuen nicht weiter zu züchten: Bei der Auswahl also nicht nur auf die Milchleistung zu schauen, sondern auch auf den Stress, den sie der Herde zufügen.

In der Schweiz wird das Enthornen offenbar massiv durchgesetzt- darf aber nur unter Vollnarkose und vom Tierarzt ausgeführt werden.
Kathrin Bähler: Wir sind einer der wenigen Betriebe im Berner Oberland, die noch gehörnte braune Ziegen haben. Bis vor zwei Jahren durfte man nämlich die Pfauenziege nicht enthornen, deshalb haben wir auch den Braunen die Hörner gelassen.

Auch in Frankreich ist das Enthornen die Regel, dort machen es die Halter selbst und deshalb auch ohne Narkose. Vielen Ziegen wachsen dann verkrüppelte Hörnchen.
Emanuel Denton: Mit glühendem Eisen dauert es 10 Sekunden. Vorher schneide ich ihnen die Hornspitze ab und stecke sie in eine Kiste, damit sie sich nicht bewegen und es schneller geht, sagt Emmanuel Denton. Zehn Minuten später saugen sie schon wieder. Natürlich tun sie mir leid, aber es dauert nicht lange. Die andere Methode, die mit dem Säuremittel mag vielleicht weniger schmerzen, aber dafür lange! Sie liegen dann eine Woche in der Ecke.

 

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Foto: Denton’s sauber enthornte Ziegen

Pat Coleby beschreibt ihre Praxis in Australien: Sie zieht es vor, beim Enthornen die Kitze nicht auf den Boden zu drücken, sondern deren Kopf zwischen ihren Unterschenkeln eingeklemmt fest zu halten. Mit der einen Hand hält sie dessen Kopf zur Seite und das Ohr aus dem Weg, den Daumen auf dem Hornansatz. (Anfänger können vorher die Haare darum abschneiden). Dann setzt man den Brennstab fest auf den Hornansatz für etwa 10 Sekunden; es sollte sich ein mahagony-farbener Ring auf dem Hornansatz gebildet haben. Für das andere Horn nimmt man ein zweites rotglühendes Eisen (das erste Eisen ist dann bereist zu kalt) und bearbeitet die andere Seite. Beide Seiten dauern also etwa 30 Sekunden. Das Kitz wird davon springen, als ob nichts passiert wäre. Leider wurde in verschiedenen Ländern verfügt, dass die Lämmer unter Narkose zu setzen sind. Etwa 30% der Lämmer sterben an der Narkose; Ziegenhalter, die ihren Kitzen einen so heftigen Eingriff in so frühem Alter ersparen wollen, machen sich dort strafbar.

Klauen

Ungeschnittene Klauen sind der häufigste Haltungsfehler, sagt die Tierärztin Sabine Denell. Klauen lassen sich am besten schneiden, wenn die Hufe feucht sind – durch Tau oder Regen – so wie auch menschliche Zehennägel nach dem Baden!

 

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Foto: Cristina Perincioli schneidet die Klauen lieber oft und nebenbei, so wird es nie zur bedrohlichen „Aktion“. Das Ganze kann man auch versüssen…

Alarmzeichen ist, wenn es beim Schneiden stinkt oder die Ziege gar hinkt: Klauenkrankheiten und ihre Behandlung

Weniger angenehm für die Ziegen ist der Behandlunsgapparat, der sie seitlich (mit den roten Platten) um den Brustkorb greift. So eingeklemmt kann man sie auf den Rücken drehen. Schafe reagieren dabei mit einer Starre, so kann man sie z.B. ruhig scheren, wenn man sie auf ihren Hintern setzt. Bei einer Ziege löst das ganz andere Reaktionen aus, sie kann kollabieren. Nicht desto trotz, Sebastian Vernay findet seinen Apparat ganz nützlich.

 

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Foto: Apparat zum Klauenschneiden

Worauf beim Schneiden geachtet werden muss, erklärt diese Website der OFM – Vereinigung für das ostfrisische Milchschaf.

Peter Baumann erwähnt ein wichtiges Detail: Gespreizte Klauen bilden sich, wenn man die Fussballen nicht ordentlich schneidet, dann drückt es die Zehen auseinander.