Enthornen

Man enthornt Ziegen, um schwere Verletzungen, wie aufgeschlitzte Euter u.ä. zu vermeiden. Nun hat eine Arbeitsgruppe von sieben Wissenschaftlerinnen an der veterinärmedizinischen Universität Wien untersucht, ob das Enthornen Verletzungen und Stress in der Ziegenherde wirklich verringert.

Dabei stellten sie fest, dass enthornte Ziegen aggressiver sind, sich öfter tätlich angreifen, wo die Drohgebärde einer behornten Ziege schon ausreicht und der Kampf vermieden wird. Ihr Bericht „Enthornen bei Ziegen: Keine direkte Wirkung auf sozialen Stress oder Betreuungsaufwand“ ist hier auf der Site der MedVetUniVienna in der Kurzfassung zu  lesen; auch den Endbericht von 2009 kann man dort als PDF finden.

Enthornen ist – so nahe am Gehirn – ein ein riskanter Eingriff. Ein Zicklein, kaum geboren, einer Vollnarkose auszusetzen, wie in der Schweiz Pflicht, ist ebenfalls abwegig (30% der Kitze sterben an der Narkose).

Sinnvoller wäre es, Ställe so zu bauen, dass Ziegen Platz zum Ausweichen haben, also Sackgassen und Engstellen vermeiden, in denen unterlegene Tiere verprügelt werden. Erhöhten Podeste und Regal-Bretter an den Wänden bieten individuelle Rückzugsorte. Unter den Fressgittern empfehlen sich Palisadenfressgitter, die auch den Blick nach hinten ermöglichen. Nackenriegel und Diagonalfressgitter erzeugen Stress, weil Angegriffene sich daraus nicht schnell genug zurückziehen können.

Kämpfe ohne Hörner haben stumpfe Verletzungen zur Folge, die weniger sichtbar sind als geschlitzte Euter. Sie sind nicht ungefährlich, werden aber leicht übersehen. Bei Rangkämpfe mit dem unbehorntem Kopf – denn gekämpft wird ja trotzdem – fehlen die Hörnern zum Abfedern.

Möglich ist auch, die besonders aggressiven Individuen nicht weiter zu züchten: Bei der Auswahl also nicht nur auf die Milchleistung zu schauen, sondern auch auf den Stress, den sie der Herde zufügen.

In der Schweiz wird das Enthornen offenbar massiv durchgesetzt- darf aber nur unter Vollnarkose und vom Tierarzt ausgeführt werden.
Kathrin Bähler: Wir sind einer der wenigen Betriebe im Berner Oberland, die noch gehörnte braune Ziegen haben. Bis vor zwei Jahren durfte man nämlich die Pfauenziege nicht enthornen, deshalb haben wir auch den Braunen die Hörner gelassen.

Auch in Frankreich ist das Enthornen die Regel, dort machen es die Halter selbst und deshalb auch ohne Narkose. Vielen Ziegen wachsen dann verkrüppelte Hörnchen.
Emanuel Denton: Mit glühendem Eisen dauert es 10 Sekunden. Vorher schneide ich ihnen die Hornspitze ab und stecke sie in eine Kiste, damit sie sich nicht bewegen und es schneller geht, sagt Emmanuel Denton. Zehn Minuten später saugen sie schon wieder. Natürlich tun sie mir leid, aber es dauert nicht lange. Die andere Methode, die mit dem Säuremittel mag vielleicht weniger schmerzen, aber dafür lange! Sie liegen dann eine Woche in der Ecke.

 

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Foto: Denton’s sauber enthornte Ziegen

Pat Coleby beschreibt ihre Praxis in Australien: Sie zieht es vor, beim Enthornen die Kitze nicht auf den Boden zu drücken, sondern deren Kopf zwischen ihren Unterschenkeln eingeklemmt fest zu halten. Mit der einen Hand hält sie dessen Kopf zur Seite und das Ohr aus dem Weg, den Daumen auf dem Hornansatz. (Anfänger können vorher die Haare darum abschneiden). Dann setzt man den Brennstab fest auf den Hornansatz für etwa 10 Sekunden; es sollte sich ein mahagony-farbener Ring auf dem Hornansatz gebildet haben. Für das andere Horn nimmt man ein zweites rotglühendes Eisen (das erste Eisen ist dann bereist zu kalt) und bearbeitet die andere Seite. Beide Seiten dauern also etwa 30 Sekunden. Das Kitz wird davon springen, als ob nichts passiert wäre. Leider wurde in verschiedenen Ländern verfügt, dass die Lämmer unter Narkose zu setzen sind. Etwa 30% der Lämmer sterben an der Narkose; Ziegenhalter, die ihren Kitzen einen so heftigen Eingriff in so frühem Alter ersparen wollen, machen sich dort strafbar.

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