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Drillinge!
Normalerweise sind zwei Zicklein zu erwarten, sind es drei hat man etwas falsch gemacht und es wird kompliziert, da die Ziege selbst nur zwei Sauganschlüsse hat (Striche, Zitzen). Bei üppigem Nahrungsangebot können sich drei statt zwei oder gar vier Embryonen eingenistet haben und heranreifen: Eine schreckliche Belastung für die tragende Ziege! Ihr Bauch ist dann soweit überdehnt, dass sie kaum mehr die Kraft aufbringt, die Zicklein herauszupressen. Aus dem gleichen Grund kann es passieren, dass die Nachgeburt nicht vollständig abgeht und in der Folge die Mutter vergiftet.
Wie Mehrlinge vermeiden? Ob es Mehrlinge geben wird, entscheidet sich in den Wochen nach der Befruchtung. In dieser Zeit tut man gut daran, die Ziege knapp zu halten. Der Hobby-Halterin fällt es schwer, in der dunklen Jahreszeit ihre Ziegen nicht ein Bißchen zu verwöhnen, weil es draussen ja nichts mehr gibt. Tatsächlich haben Ziegen Jahrtausende lang die Winter bei karger Kost überlebt, sie sind darauf eingestellt. Heute bekommen bei uns die Ziegen im Winter neben dem Heu Luzerne und Getreide – das ist nicht natürlich und riskant.
Zicklein grossziehen
Viele milchwirtschaftliche Betriebe trennen die Kitze bei der Geburt sofort von der Mutter. Noch hat sich keine Bindung zwischen Mutter und ihren Lämmern etabliert, so ist der Trennungsschmerz nur vorübergehend. Noch bevor sie das Euter kennengelernt haben, werden die Kitze an den Milchautomaten oder an den Eimer gewöhnt, so fällt es ihnen leichter. So kann man die kostbarere Ziegenmilch durch Kuhmilch oder Milchaustauscher ersetzen. Die Verluste (an Gewichtszuwachs und Leben) sind beträchtlich und werden hingenommen, denn ihr Schlachtpreis rechtfertigt kaum die Aufzucht.
Soll die Aufzucht mit dem Eimer gelingen, sollte man in den ersten Wochen unbedingt einen Teil Ziegenmilch der Kuhmilch beimischen, sonst schwächt sie ein dauernder Durchfall. Auch das Palmöl, das sich in manchen Milchaustauschern findet, scheint ihnen grosse Probleme zu bereitet.
Vorsicht: Die Milch muss beim Vertränken Körperwarm sein – ist sie zu kalt, kann sie kaum verdaut werden. Deshalb müssen die Kitze richtig hungrig sein, wenn der Eimer kommt, damit sie die Milch in einem Zug wegsaufen – wie in dem Video – am besten 3-4 Mal am Tag. Zusätzlich brauchen sie Heu zum Knabbern, damit bauen sie nach und nach eine Flora auf, die ihnen ermöglicht, auch anderes als Milch zu verdauen.

Eine Lämmerbucht – ein geschützter, dunkler Ort – benötigen die Kitze in den ersten Wochen. . Denn anfangs schlafen sie die meiste Zeit, brauchen einen Ort, wo sie ungestört verdauen und wachsen können. In den meisten Betrieben legt man mehr Wert auf Übersichtlichkeit im Lämmerstall.


Aufzucht an der Seite der Mutter ist selbst in grossen Betrieben möglich – aber selten. Hans-Peter Dill beschreibt hier seine Methode, die Zicklein während Weidegang, Fütterung und Melken von den Müttern zu separieren. Denn Zicklein sind klein genug, um durch das Fressgitter zu klettern, auf dem Futtertisch das Futter zu verderben (eine Ziege frisst nichts, worüber schon eine andere Ziege gelaufen ist) und schliesslich verloren zugehen. Dafür fressen die Kleinen schon bald neben ihren Müttern, wenn dazu Platz ist und sie angebunden werden können.

Dieses Anbinden und Sortieren macht Arbeit, dafür lassen sich die Kleinen beim Fressen von ihren Müttern motivieren. Leben die Kleinen dagegen separiert in der eigenen Altersgruppe haben sie keine Vorbilder und sie fressen nicht so recht. Sind sie zudem nicht angebunden, sind Schwächere von Anfang an benachteiligt.
Aber der Nachwuchs fremdelt wenn die Zicklein während der Aufzucht keinen engen Kontakt zum Menschen haben – zum Beispiel durch die Flasche. Sie binden sich stattdessen komplett an ihre Mütter und flüchten, sobald man sie anfassen will oder auch muss. Im Krankheitsfall hilft es sehr, wenn die Ziege in engem Kontakt mit den Menschen aufgewachsen ist, sich anfassen und untersuchen lässt.