Wurmresistenz züchten

Die Innenparasiten entwickeln gegenüber Wurmmitteln Resitenzen – das ist bekannt. Aber auch Ziegen können eine Resitenz gegen Würmer entwickeln!
Das Immunsystem dieser Ziegen behindert die Würmer dabei,, sich bis zur Geschlechtsreife zu entwickeln; im Kot dieser Ziegen finden sich nur wenige Wurmeier.
Untersucht man alle Tiere einer Herde einzeln auf Wurmbefall, kann man feststellen, dass 80% der Wurmeier von nur 20% der Tiere stammen. Es lohnt sich also, diese 20% zu kennzeichnen und zu beobachten, ob ihre Wurmlast vorübergehend oder dauerhaft ist. Solche Wurmträgerinnen sollten dann aus der Zucht ausgeschlossen und beizeiten geschlachtet werden.
Umgekehrt beobachte man jene Ziegen mit wenig Wurmeiern, hält ihre Resitenz an, züchtet man mit ihnen weiter und baut so eine resistente Herde auf.

Wurmresitenter Zuchtbock

Noch wirksamer ist diese Zuchtwahl, wenn der Zuchtbock selbst Wurmresitenz zeigt.
Bisher achten wir bei der Wahl eines Bocks vornehmlich auf die Milchleistung seiner Mutter; es hat sich aber gezeigt, dass leistungsstarke Ziegen gleichzeitig viele Würmer tolerieren und Wurmtoleranz ist gefährlich!

Wurmtoleranz

Ziegen, die trotz hoher Wurmlast keine Mangelerscheinungen zeigen, sind wurmtolerant und dadurch – anders als die wurmresitenten – eine Gefahr für die Herde, weil sie viele Wurmeier ausscheiden und damit die Schwächeren gefährden.

Eine Herde analysieren

Der Blick in das untere Augenlid einer Ziege zeigt, ob dieses leuchtend rosa oder eher bleich ist, weil sie unter Blutarmut leidet und stark vom gedrehten Magenwurm (haemonchus contortus) befallen ist. Dies eMethode sagt noch nichts über die übrigen Wurmarten, ist aber sinnvoll, um schnell eine Ziege in Not herauszufinden. Um aber die resistenten Ziegen zu finden, ist Eierzählen unter dem Mikroskop unerlässlich.
Dabei ist darauf zu achten, Kotproben von Ziegen ähnlichen Alters zu vergleichen; junge Ziegen und laktierende Ziegen zeigen mehr Eier im Kot, die Eiproduktion der Würmer schwankt saisonal ebenso. Will man also Wurmträgerinnen und resitente Ziegen richtig unterscheiden, muss man ihre Ergebnisse mit jenen ähnlichen Alters, Produktivität und Ernährung vergleichen. Nach einer Wurmkur, zeigt sich erst nach fünf Wochen eine realistische Wurmbelastung.

Quellen
Kotproben analysieren zu lassen ist teuer, selber analysieren aber auch, weil man dazu Zeit und allerlei Gerätschaften benötigt. Als Motivation zur Kotprobenanalyse empfehle ich diese Berichte:
Managing Internal Parasites Sucess Stories, darin die dritte Geschichte:
Twenty Years and Counting
By Dr. An Peischel, Small Ruminant Specialist and Goats Unlimited Tennessee Editor’s Note: Dr. An Peischel, Small Ruminant Specialist in Tennessee, has been raising goats since 1985. She has not dewormed a goat since 1994— 20 years, and counting. Read on to learn how she has done it.

Weiterführende Arbeiten:

Anwendung und Evaluation eines Targeted Selective Treatment
in kommerziellen Milchziegenbetrieben – Diss an der Tierärztlichen Fakultät
der Ludwig-Maximilians-Universität München

Welche Zicklein schlachten?

Die schlimmste Wurmbelastung erfahren Lämmer, wenn sie kurz nach dem Absetzen auf die Weide kommen. Dann verliert ihr Fell den Glanz, sie sehen staubig aus und wichtiger noch, sie nehmen nicht zu. In dieser Zeit entscheidet sich, ob sie Widerstand gegen die Würmer aufbauen können oder nicht. Genau dann nimmt man Kotproben, einmal unmittelbar nach dem Absetzen und ein zweites Mal 2-3 Wochen später.

Erstelle eine Liste mit vier Spalten:
Kennziffer zum Zicklein / Zahl der Eier der ersten Probe / Zahl der Eier der Zweiten Probe / Zuwachs.
Der Zuwachs der Einzahl ergibt sich aus der Differenz der beiden Probenergebnisse; ist er hoch, muss das Zicklein geschlachtet werden, ist er niedrig, wird es gegen die Wurmlast bestehen können. Schlachtung steht auch an, wenn der Zuwachs gering, aber beide Probeergebnisse hoch sind.

Bei etwas Übung schafft man am Mikroskop die Untersuchung von 6 Kot-Proben pro Stunde; bei einer grösseren Anzahl Zicklein wird man zur Augenlid-Probe greifen, d.h. den Grad der Blutarmut/Haemochus-Befall feststellen und von 1- 5 bestimmen. Die stark befallenen (3 – 5) werden entwurmt und nach einigen Wochen wieder kontrolliert. Zicklein, die dann immer noch schlechte Werte zeigen, müssen nun aussortiert werden.
Jene, die auch bei der zweiten Kontrolle wenig Blutarmut zeigen, werden für die Zucht vorgemerkt.
Quelle: Simple Genetic-Selection Strategies to Manage the Barber Pole Worm