Wieviel Wiese für zwei Ziegen?

Das ist eine schwierige Frage! Pro Tier reichen theoretisch 1.000 bis 2.000 qm. Es wäre aber fatal, wenn diese Tiere immer auf diesem einen Fleckchen grasen müssten. Sie würden sich immer wieder an den Wurmeiern infizieren und solange nur die schmackhaften Gräser fressen, bis davon keine mehr übrig sind. 

Schafe und Rinder fressen eine Wiese sauber herunter – nicht aber Ziegen! Ziegen fressen immer nur oben drüber, immer nur die Spitzen. Gut ist, wenn ein Bauer seine Rinder auf die Wiese schickt, die alles sauber runter fressen, oder ein Kaninchenzüchter, der das Gras Stück für Stück abmäht und verfüttert. Noch besser ist, wenn die kleine Ziegenherde hier und dort auf Rinderwiesen als vorübergehender Gast toleriert wird.

Ziegen sind Nomaden, sie lieben es, ihr Futter selber zu suchen. Bis vor etwa 200 Jahren haben Ziegen auch hier so frei gelebt, in Herden gehütet auf wechselnden Flächen.

Nach dem zweiten Weltkrieg hielten sich viele Nicht-Bauern, viele Flüchtlinge eine Ziege. Die Kinder suchten für oder auch mit der Ziege deren tägliche Ration meist an Wegrändern. Wegränder wurden damals zu diesem Zweck sogar verpachtet.

Den Ziegen wird es auf einer Wiese nach einigen Wochen langweilig, sie werden ausbrechen – ein Elektrozaun ist nur frisch aufgestellt ein Hindernis, er wird leicht eingewachsen und der Strom abgeleitet über nasses Gras. Auch bei langer Trockenheit wird er unwirksam, dann sind die elektrischen Schläge ganz schwach, weil trockener Boden isoliert. 

Ziegen fressen nur in Phasen, ziehen sich dann in den Schatten zurück um Wiederzukäuen, etwa sieben Stunden am Tag und auch nachts. Es reicht also, wenn sie zweimal am Tag für 1-2 Stunden Grünfutter aufnehmen. Als Ergänzung brauchen sie Zugang zu Heu und Wasser. 

Hat man nur ein kleines Stück Land, ist es effektiver darauf Luzerne anzubauen, von dieser täglich eine Portion zu schneiden und auf den Futtertisch zu legen. So vermeidet man die Wiederaufnahme von Wurmlarven und hat Null Verlust, denn für die Ziege gibt es nichts attraktiveres als eine Portion frisch geschnittene Luzerne. Als Ergänzung Heu, eventuell Gemüsereste aus dem Garten und vor allem Zweige.

Schaf und Rind sind „grazer“, sie bücken sich beim Fressen, eine Ziege dagegen will sich zum fressen nach oben recken, im englischen bezeichnet man sie als „browser“ – wie surfen im Internet, flüchtig obendrüber und nur die Spitzen abfressend. Für Ziegen kann der Anteil Blätter nicht gross genug sein, sie enthalten viele Stoffe, die sie benötigen und im Gras nur begrenzt finden (siehe Video „Unterwegs mit Feinschmeckerinnen“). 

Lässt man Ziegen immer wieder an derselben Hecke knabbern und schälen, ist diese bald vernichtet. Mit den Ziegen entlang von Hecken und Waldrändern spazieren, schädigt diese nicht. 

Die Erfahrung zeigt, ihre beste Milchleistung erreicht sie nur mit einem guten Anteil Laub.

Die Wiese pflegen

Damit die Ziegen nicht nur überall die schmackhaftesten Gräser herauspicken so dass die harten Gräser Überhand nehmen, koppelt man die Wiese in Portionen, die für wenige Tage reichen, so dass sie diese gleichmässig abfressen. Dann verschiebt man den Zaun. So gelangen sie auf einen von Kot und Ziegenfüssen unberührten Bereich, das schätzen sie ganz besonders. 

Besser der abgefressene Teil wird sogleich nachgemäht und nicht mehr betreten. So kann sich die Wiese optimal regenerieren.

Warum dieser Aufwand? In einer Einzäunung kann man beobachten, dass die Ziegen nach einer Weile vornehmlich am Rand des Zauns entlang fressen – dort wo noch keine Füße darüber liefen: Denn Ziegen sind außerordentlich hygienebewusst. An hervorragenden Grasbüscheln schnuppern sie erst, bevor sie hinein beißen, manche lassen sie stehen und wandern zum nächsten. Ziegen fressen nach Möglichkeit nichts, was nach einem anderen Tier, einer anderen Ziege riecht, vermutlich um deren Keime zu vermeiden. Deshalb grasen Ziegen nie bis zum Grund – da kann man so lange warten wie man will. Eine Wiese muss aber immer wieder auf Null gesetzt werden, damit überständiges und faulendes Gras verschwindet und alle Gräser und Kräuter gleiche Startchancen haben. Sobald dieses Gras 10-15 cm hoch ist, kann es wieder beweidet werden. Ist es höher, sollte sie gemäht werden, denn beim Grasen würde zu viel herunter getreten und unbrauchbar werden.

Das klingt ziemlich anspruchsvoll und viele ZiegenhalterInnnen kümmert es nicht. Sie schicken ihre Herde wochenlang auf die immer selbe Weide. Tatsächlich fressen die Ziegen dann nur noch sehr sporadisch, laufen auf dem Gras herum, zupfen hier und da ein Hälmchen. Das ist dann der Zeitpunkt, wo Ziegen den Elektrozaun testen und schließlich ausbrechen. Würde diese Wiese dagegen zeitig nachgemäht, wäre sie innert drei Wochen wieder ein attraktiver Futterort. 

Eine Ruhezeit von fünf Wochen verringert den Parasitendruck, Eier und Larven einiger Magendarmwürmer überleben nur wenige Wochen auf der Wiese. Noch besser ist diese Wirkung, wenn zwischendurch geheut wird. Ein bodennaher Schnitt und das Austrocknen an der Sonne macht vielen Parasiten den Garaus.

Für die Mühen des Koppelns spricht die Hygiene, also die höhere Gesundheit und  Leistungsfähigkeit der Ziegen. Die Portionsweide hat sich als die ökonomisch effektivste Grünlandnutzung herausgestellt. Unter der Bezeichnung „Rotational Grazing“ finden sich wissenschaftliche Untersuchung über dieses System und einige youtube Videos, die die Praxis auf der rotierenden Rinderweide erklären. 

Möchte man sich diesen Zirkus (rapid rotationa grazing) ersparen, wäre eine weitere effektive Landnutzung der Anbau von Luzerne. 

Wiese düngen?

Streut man den Ziegenmist auf diese Wiese, wird sie zum Parasitenparadies. Deshalb tauschen Halter verschiedener Tierarten ihren Dung – Rinder oder Pferde haben andere Parasiten als Ziegen, Schafe dagegen liefern ähnliche Parasiten wie Ziegen.
Oder man pflegt den Ziegenmist sorgfältig: Aufsetzen mit Erde und Schichten von Grasschnitt, damit sich die Miete auf 70°C erhitzt und die Wurmeier abtötet, dann noch zwei Mal wenden und die Feuchtigkeit regulieren bis der Mist kompostiert ist – in 3-6 Monaten, je nach Jahreszeit. Dabei verliert der Mist etwa die Hälfte an Volumen und Gewicht und ist nun feinkrümelig sehr leicht zu streuen. 

Dagegen ist Miststreuen (im Kleinbetrieb) von Hand eine schwere Arbeit. Mist auf der Wiese fördert großblättrige Wiesenkräuter, wie Kerbel und Ampfer. Sie zeigen die Fehler an. Eine mit Mist bestreute wird von den Ziegen monatelang gemieden – aus gutem Grund: Wenn Mist stinkt, zeigt das Fäulnis an, Krankheitserreger, jeder Tier weiß dies – nur mancher Bauer nicht. Stinkender Mist macht die Wiese krank.    

Wie baut man Luzerne an?

Luzerne eignet sich für warme, trocken Standorte, wohingegen Rotklee feuchte bevorzugt. Als Leguminose meidet sie saure Standorte, eine Kalkung befördert ihr Gedeihen.

Die Saatvorbereitungen sind aufwendig, denn Luzerne entwickelt sich im ersten Jahr langsam, weshalb der Platz vor der Saat gründlich von Konkurrenzpflanzen befreit wird durch Pflügen, Eggen, Walzen – oder in kleineren Flächen zwei Mal Fräsen: im Herbst und ein zweites Mal vor der Saat, die ab April bis Ende Juli möglich ist. Säen kann man per Hand wie ein Sämann, danach einwalzen.

Entwickelt sich das Unkraut oder Gras schneller als die Luzerne, verschafft man ihr einen Vorsprung mit einem Reinigungsschnitt. Ansonsten sollte sie im ersten Jahr nur selten geschnitten werden. 

Luzerne muss nicht gedüngt werden, weil sie mittels Knöllchenbakterien über ihre Wurzeln diesen mit Stickstoff anreichert. Ihre Wurzeln reichen 4 Meter tief, so übersteht sie jeden trockenen Sommer und liefert Futter, wenn Gras schon längst nicht mehr wächst.

Diese Fläche wird mit einem festen Zaun vor Ziegen geschützt, nur so kommen keine Wurmeier ins Futter. Wenn Wurmeier fehlen, kann dort Grünfutter geschnitten werden, auch wenn es regnet – dagegen muss das Gras einer Weide erst abtrocknen, denn Wumlarven hängen u.a. in diesen Tröpfchen auf dem Gras.

Dieser Aufwand schreckt vielleicht ab, aber diese geschützte Anbaufläche wird über viele Jahre zuverlässig täglich frisches Futter liefern. Wo man die Tagesportion gemäht hat, ist nach 3 Wochen an dieser Stelle die Luzerne bereits wieder mähfertig nachgewachsen. Luzerne wächst auch bei anhaltender Trockenheit, dafür sorgen ihre bis zu 4 Meter langen Wurzeln. Der Anbau von Luzerne ist die Platz sparendste Art eine Herde Milchziegen zu ernähren.
Auch Fleischziegen können von dieser Eiweisslieferantin profitieren und sie in Fleisch umsetzen. Im Streichelzoo dagegen würde Luzerne die Ziegen krank machen, auch Böcke vertragen ein solches Plus an Eiweiss nicht.

Luzerne kann man nicht heuen, weil die Stängel nur schwer trocknen und im Heu schimmeln könnten. Wartet man, bis auch diese trocken genug sind, sind die Blättchen am Stiel schon abgefallen. Betriebe, die Luzerne heuen, trocken sie unter Dach. Für die kleine Herde reichen im Winter ein, zwei Sack getrocknete Luzerne aus dem Pferndefutterhandel – man muss nicht alles selber machen….

Heu für Milchziegen

Qualitätsheu ist schwer zu bekommen, denn die meisten Bauern produzieren Heu für Pferdehalter. Pferde  sind „Dauerfresser“ – bekämen sie zu gutes Heu, würden sie sich überfressen und krank werden, weil die meisten Pferde keine Gelegenheit haben, die gewonnene Energie umzusetzen. „Auf das Heu muss es zweimal regnen, dann ist es tot und gerade richtig für meine Ponys“, wie mein Nachbar meinte.

Milchziegen dagegen benötigen Qualitätsheu: Erster Schnitt (Mai), Gras vor der Blüte geschnitten, dann enthält es am meisten Protein, danach verholzt es und gilt schließlich als „überständig“. Ziegen mögen so etwas auch, aber nur zum Zeitvertreib, um Knabbernd ihren Bedarf an Rohfaser – also Ballaststoff – zu decken, den sie zur Verdauung von Kraftfutter unbedingt benötigt.

In der Landwirtschaft wird Heu auf möglichst grossen Flächen mit möglichst grossen Maschinen hergestellt. Diese Maschinen sind verglichen mit der Handarbeit beneidenswert effektiv, aber sie zerschlagen die feinen Blätter zu Staub, die Stängel bleiben übrig. Nur bei verholztem Gras, also Pferdeheu, ist der Schaden durch die mechanische Beanspruchung gering.   

Silage

Natürlich ernten Grünland-Bauern auch im Mai und sie verarbeiten auch das sehr saftige Oktober-Gras. Wegen der dann geringen Temperaturen machen sie daraus nicht Heu sondern Silage. Mit dieser Methode werden Nährstoffe und Vitamine optimal erhalten und es braucht nicht durchtrocknen, sondern wird lediglich angewelkt gepresst und dann in Folie gewickelt. 

Aber Ziegen reagieren empfindlich auf Silage, oft gerät Erde (von Wühlmaushügeln) in die Silage und es bilden sich darin Krankheitskeime, die die Ziege in kürzester Zeit umbringen – speziell Listerien – sie finden sich dann auch in der Milch und im Käse und können geschwächte Menschen töten, sowie Clostridien, die mittels Buttersäure den Schnittkäse blähen. Eine angebrochene Silagerolle muss deshalb zügig verfüttert werden, denn der Luft ausgesetzt, wird sie schlecht. Für eine kleine Ziegenherde ist die Silagerolle vom Landwirt also keine Option.

Selber heuen?

Besseres Heu als Landwirte liefern können, erhält man nur, wenn man zum optimalen Zeitpunkt mähen und das Heu innert 2-3 Tagen einbringen kann.

Heu ist aber auch während einer Arbeitswoche machbar, wenn die tägliche Arbeitszeit flexibel ist. Das Mähen mit einem Mäher dauert beispielsweise 4 Stunden, das erste Verteilen nach der Mahd auch noch 2-3 Stunden. Danach wird es nur noch jeweils einmal täglich (abends) gewendet (1 Std). Sobald das Grünzeug trockener und steifer wird,  bildet man Schwaden daraus, das sind lange Reihen, in denen das Heu nur mehr wenig Bodenkontakt hat (und so weniger Feuchtigkeit aufnimmt), durch das Aufschichten kann der Wind durchblasen. Leicht geschichtet bleicht das Heu weniger aus, denn auch dabei schwinden die Nährstoffe. 

Fortan wird diese Wurst, die Schwade, nur noch gerollt und dabei die feuchte Unterseite nach oben gewendet. 

Ist ein Landwirt mit einer Heupresse für das Pressen zu gewinnen, fährt er damit diese Reihen entlang und presst ein, zwei große Rollen. Diese Rollen lagert man draußen auf Paletten in einer Reihe hintereinander – wie eine Wurst – und schützt sie mit einem atmungsaktiven Heu-Vlies .

Das ist eine überaus preiswerte und werterhaltende Lagerungsform. Allerdings zerbricht das Pressen die Struktur, Grasstängel bleiben übrig und zu Staub zerdrückte Blätter. 
Hat man eine Scheune oder ein geräumiges Heuhaus transportiert man das Heu per Anhänger oder in einem Tuch (2x2m) gebunden auf einer Schubkarre portionsweise dorthin.

intaktes, knusprig raschelndes Heu: handgemacht

Der Lohn ist ein intaktes, knusprig raschelndes Heu, das die Ziegen fürs Leben gern fressen.

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