… sind so viele Zicklein!

Drillinge!

Normalerweise sind zwei Zicklein zu erwarten, sind es drei hat man etwas falsch gemacht und es wird kompliziert, da die Ziege selbst nur zwei Sauganschlüsse hat (Striche, Zitzen). Bei üppigem Nahrungsangebot können sich drei statt zwei oder gar vier Embryonen eingenistet haben und heranreifen: Eine schreckliche Belastung für die tragende Ziege! Ihr Bauch ist dann soweit überdehnt, dass sie kaum mehr die Kraft aufbringt, die Zicklein herauszupressen. Aus dem gleichen Grund kann es passieren, dass die Nachgeburt nicht vollständig abgeht und in der Folge die Mutter vergiftet.

Wie Mehrlinge vermeiden? Ob es Mehrlinge geben wird, entscheidet sich in den Wochen nach der Befruchtung. In dieser Zeit tut man gut daran, die Ziege knapp zu halten. Der Hobby-Halterin fällt es schwer, in der dunklen Jahreszeit ihre Ziegen nicht ein Bißchen zu verwöhnen, weil es draussen ja nichts mehr gibt. Tatsächlich haben Ziegen Jahrtausende lang die Winter bei karger Kost überlebt, sie sind darauf eingestellt. Heute bekommen bei uns die Ziegen im Winter neben dem Heu Luzerne und Getreide – das ist nicht natürlich und riskant.

Kastrieren

Von den jährlichen Zicklein sind jeweils ungefähr die Hälfte Bockslämmer. Die werden mit drei Monate geschlechtsreif und decken dann ihre Schwestern. Entweder schlachtet man sie vorher, oder kastriert sie rechtzeitig durch eine Tierärztin (Männer bringen das meist nicht über sich). Im Alter bis zu sechs Monaten kann die Tierärztin mittels einer Zange die Blutzufuhr der Hoden für fünf Minuten abklemmen, danach sterben sie ab. Ist das Böckchen älter werden sie in einer ambulanten OP herausgeschnitten, hier ist ein Vollnarkose nötig, beim Abklemmen nur eine Lokalanästhesie.

Methode Gummiring scheint weniger schmerzhaft und für das Tier viel ungefährlicher, es ist jene früher übliche (aber heute noch verbotene) Methode: Ein fester kleiner Gummiring wird dem Bockslamm mit Hilfe einer Zange über beide Hoden gezogen, so dass der Gummiring fest zwischen Bauch und Hoden sitzt. Die Zange, die das schmerzfreie Applizieren ermöglicht und die Gummiringe gibt es im Landhandel. Diese Prozedur muss bis zum zehnten Lebenstag durchgeführt sein, wichtig dabei ist, dass beide Eier sauber durchgezogen und nicht eingeklemmt wurden! Die so behandelten Bocklämmer legen sich in eine Ecke, wimmern noch eine Stunde und schlafen dann (man macht das am besten abends). Sitzt der Gummiring korrekt, hüpfen sie am nächsten Tag ganz unbeeinträchtigt herum. Die Hoden vertrocknen und fallen Wochen später zusammen mit dem Gummi ab. in diesem youtube-video wird dies an einem (viel zu alten) Bock demonstriert, es ist gut zu sehen, worauf es ankommt: 

Schaf- und Ziegenhalterverbände arbeiten daran, dass dieses Verbot bald aufgehoben wird. Das Verbot bezieht sich auf eine einzige „Studie“ in der 3 Monate alte Böcke (eine böswillige Konstellation) mit Gummiringen kastriert wurden.

Je früher Bocklämmer kastriert sind, umso umgänglicher verhalten sie sich. Unkastrierte hauen ihre Schwestern vom Futter weg, schüchtern sie ein, reiten ständig auf. Werden diese kleine Böcke nicht in einer Gruppe mit einem erwachsenen Bock gehalten, sind sie für den Rest der Herde, die weiblichen Wesen, eine Plage. Sie decken schon mit 3 Monaten ihre viel zu kleinen Schwestern. Werden sie hingegen früh kastriert, fügen sie sich gut in die Herde, setzen besser Fleisch an als die nervösen unkastrierten.

Mönche nennt man kastrierte männliche Ziegen. Diese kann man gefahrlos in der Herde belassen, so können sie weitere wachsen und herumspringen, bevor sie geschlachtet werden. “Mönche” sind voller Arbeits- und Lerneifer und schliessen sich gerne dem Menschen an. Diese charakterlichen Vorzüge schätzt man ebenso bei den kastrierten Hengsten, den Wallachen.

Zicklein grossziehen

Viele milchwirtschaftliche Betriebe trennen die Kitze bei der Geburt sofort von der Mutter. Noch hat sich keine Bindung zwischen Mutter und ihren Lämmern etabliert, so ist der Trennungsschmerz nur vorübergehend. Noch bevor sie das Euter kennengelernt haben, werden die Kitze an den Milchautomaten oder an den Eimer gewöhnt, so fällt es ihnen leichter.

So kann man die kostbarere Ziegenmilch durch Kuhmilch oder Milchaustauscher ersetzen. Die Verluste (an Gewichtszuwachs und Leben) sind beträchtlich und werden hingenommen, denn ihr Schlachtpreis rechtfertigt kaum die Aufzucht. Gerade in den ersten Wochen sollte man unbedingt einen Teil Ziegenmilch der Kuhmilch beimischen, sonst schwächt sie ein dauernder Durchfall. In Milchaustauschern finden sich billige Fette wie Palmöl, das ihnen grosse Probleme bereitet.

Aufzucht an der Seite der Mutter ist selbst in grossen Betrieben möglich – aber selten. Hans-Peter Dill beschreibt hier seine Methode, die Zicklein während Weidegang, Fütterung und Melken von den Müttern zu separieren. Denn Zicklein sind klein genug, um durch das Fressgitter zu klettern, auf dem Futtertisch das Futter zu verderben (eine Ziege frisst nichts, worüber schon eine andere Ziege gelaufen ist) und schliesslich verloren zugehen. Dafür fressen die Kleinen schon bald neben ihren Müttern, wenn dazu Platz ist und sie angebunden werden können.

Dieser Querbalken ist zwar für die Mutter unbequem, hindert aber das Jungvolk daran, einfach auf den Futtertisch zu steigen.

Dieses Anbinden und Sortieren macht Arbeit, dafür lassen sich die Kleinen beim Fressen von ihren Müttern motivieren. Leben die Kleinen dagegen separiert in der eigenen Altersgruppe haben sie keine Vorbilder und sie fressen nicht so recht. Sind sie zudem nicht angebunden, sind Schwächere von Anfang an benachteiligt.

Aber der Nachwuchs fremdelt wenn die Zicklein während der Aufzucht keinen engen Kontakt zum Menschen haben – zum Beispiel durch die Flasche. Sie binden sich stattdessen komplett an ihre Mütter und flüchten, sobald man sie anfassen will oder auch muss. Im Krankheitsfall hilft es sehr, wenn die Ziege in engem Kontakt mit den Menschen aufgewachsen ist, sich anfassen und untersuchen lässt.

Ziegen schlachten

Manchmal bin ich froh, dass es erlaubt ist Ziegen zu schlachten. Manch ein Zicklein entwickelt als Ziege unerträgliche Eigenheiten, zum Beispiel ständiges Rufen oder sorgt für Stress in der Herde, findet Cristina Perincioli.
Der Vermehrungsrate von Ziegen sollte man nüchtern entgegentreten: Man kann sie nicht alle behalten und die Überzähligen ins Tierheim geben, wo sie mittels Spenden am Leben gehalten werden, zeugt nur von Bequemlichkeit.
Wer nicht schlachten lassen will, kann sich statt weiblicher Ziegen zwei Mönche halten!

Den richtigen Schlachter finden, indem man bei Kolleginnen nachfragt und den Betrieb besucht: Werden die Tiere in einer ruhigen, professionellen Art getötet? Bei Ziegen ist die Elektrozange ein zuverlässigstes Instrument.
Der Schlachter kann den Körper mehrere Tage hängen lassen, was der Fleischqualität gut bekommt, dann kann er den Körper zerlegen und die Stücke einzeln in Folie einschweissen und mit einem Etikett versehen.
Hat man dieses Tier selber aufgezogen, kann man es schwerlich selber essen und das ist auch nicht nötig, weil Ziegen ein Fleisch höchster Qualität liefern. Viele Leute schätzen es ausserdem, wenn sie wissen wie das Tier gelebt hat. Deshalb lässt sich Ziegenfleisch gut verkaufen – speziell, wenn eingeschweisst und etikettiert.

Der Weg zur Schlachtbank fällt schwer. Fahren die Tiere als Gruppe, ängstigen sie sich natürlich weniger. Als Gruppe geschlachtet, fällt viel Fleisch an, was ein Problem sein kann. Cristina Perincioli fährt die Schachttiere einzeln zum Schlachter in einem PKW. Mit dem fährt sie die Tiere in den Tagen zuvor schon etwas umher, so dass bei der letzten Reise, das Autofahren keine Angst erzeugt. Bleibt die Trennung von der Herde. Für Tiere, die kaum Bindung zum Halter aufgebaut haben, ist diese Trennung von der Herde schon wie ein Todesurteil; dagegen hilft, wenn das Muttertier oder ein Geschwister mitfährt.

Sprich mit deinen Tieren! In dem gleichnamigen Büchlein von Beate Seebauer lernt man, wie belasten es für ein Tier ist, zum Beispiel weggegeben zu werden, ohne zu wissen warum. Es fühlt sich von seiner Bezugsperson verstossen und leidet. Noch schlimmer, meint Cristina Perincioli, wenn man es unvorbereitet im Schlachthaus abgibt: “Meinen Schlachttieren sage ich Tage zuvor, dass ihr Leben bei mir bald enden wird, dass sie “in die grosse Herde” zurückgehen werden. Ich verabschiede mich von ihnen mit Dank.
Auch wenn ich weiter nichts von “Tierkommunikation” verstehe, so sehe ich doch, dass das Tier ruhig wird und recht gefasst mit dem Schlachter mitgeht.”

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